Was für ein Kampf, was für eine Moral! Die Handball-Damen des TSV Westerland haben am Samstagmittag im Auswärtsspiel gegen den Bredstedter TSV 3 einen wertvollen Punkt mit auf die Insel genommen. In einer Partie, die an Dramatik kaum zu überbieten war, trennten sich die Mannschaften mit einem 22:22-Unentschieden. Doch das nackte Ergebnis erzählt nur die halbe Geschichte einer beeindruckenden Mannschaftsleistung.
Rückstand gedreht: Starke Moral vor der Pause Der Start in die Partie verlief für die Insulanerinnen zunächst holprig. Die Gastgeberinnen aus Bredstedt legten vor und führten nach knapp zwölf Minuten mit 5:2. Doch wer dachte, der TSV würde sich geschlagen geben, sah sich getäuscht. Die Mannschaft von Trainer Eike Knudsen zeigte Charakter. Die Abwehr stabilisierte sich, und im Angriff fanden die Sylterinnen immer besser ihre Lücken.
Besonders das Zusammenspiel funktionierte nun blendend: Tor um Tor kämpften sich die Frauen heran, glichen beim 5:5 aus und gingen kurz vor der Pause sogar in Führung. Mit einem verdienten 9:11 ging es in die Kabine – ein Beweis für die mentale Stärke des Teams.
Das Duo Petersen & Middeke und eine geschlossene Abwehr In der zweiten Halbzeit schien der TSV Westerland zunächst unaufhaltsam. Die Mannschaft agierte wie aus einem Guss. Während die Defensive um jeden Zentimeter Hallenboden kämpfte und fair agierte – der TSV kassierte im gesamten Spiel nur eine einzige Zeitstrafe –, lief die Angriffsmaschinerie auf Hochtouren.
Herausragend dabei war die Effizienz im Abschluss, die sich auf zwei Schultern verteilte, aber vom gesamten Team getragen wurde: Jana Petersen erwischte einen "Sahne-Tag" und erzielte unglaubliche 12 Tore. Ihr zur Seite stand Nadja Middeke, die 10 Treffer beisteuerte und besonders vom Siebenmeterpunkt Nervenstärke bewies. Dass nur zwei Spielerinnen alle Tore erzielten, zeugt davon, wie gut die Mitspielerinnen Shaira Carmen Barth, Lisa Heß, Merit Knapp, Emily Walter, Josefin Kristin Walter und Glenna Chiara Zilz Räume freisperrten und die Bälle verteilten.
Dramatische Schlussphase Bis zur 45. Minute hatten sich die Sylterinnen einen komfortablen 5-Tore-Vorsprung (13:18) herausgespielt. Doch in der Schlussphase wurde es hektisch. Die Gastgeberinnen agierten zunehmend aggressiver, was unter anderem zu einer Disqualifikation für Bredstedt in der 54. Minute führte.
Obwohl die Kräfte beim TSV schwanden und Bredstedt in den letzten Minuten Tor um Tor aufholte und kurz vor Schluss zum 22:22 ausglich, ist dieser Punkt ein Gewinn. Die Mannschaft hat in fremder Halle, vor spärlicher Kulisse von nur 12 Zuschauern, als echtes Kollektiv fungiert. Die Disziplin – Westerland verursachte deutlich weniger Siebenmeter und Strafen als der Gegner – und der Kampfgeist bis zur letzten Sekunde machen Mut für die kommenden Aufgaben.
Text und Foto: Alex Lenz