Kampen. Seit mehr als drei Jahrzehnten steht die Galerie Herold für die qualitätsvolle Auseinandersetzung mit norddeutscher Kunst – von der klassischen Moderne bis zur Gegenwart. Gegründet wurde das Familienunternehmen 1978 von Rainer Herold. Heute führen Patrick Herold und Katharina Herold die Galerie in zweiter Generation weiter und entwickeln das Profil behutsam weiter, ohne die gewachsene Tradition aus dem Blick zu verlieren. Neben der Galerie in Kampen ist das Stammhaus in den Hamburger Colonnaden 5.

Aktuell treffen in der Galerie Herold völlig unterschiedliche Kunstwelten aufeinander – und genau darin liegt der besondere Reiz der Ausstellung. Historische Werke der Hamburgischen Sezession begegnen expressionistischen Landschaften und farbgewaltiger Gegenwartskunst. Bemalte Stalltüren hängen neben feinen Papierarbeiten, norddeutsche Hafenansichten neben spontaner Straßenpoesie. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Maler Ivo Hauptmann. Der Künstler lebte zunächst in Paris, bevor er Anfang des 20. Jahrhunderts nach Hamburg zog und später Mitglied der Hamburgischen Sezession wurde. Seine Werke wirken leicht, fast mediterran. Mit wenigen, präzisen Pinselstrichen schuf Hauptmann atmosphärische Hafenansichten, Stillleben und Landschaften. Besonders prägend war seine Freundschaft mit dem französischen Pointillisten Paul Signac, den Hauptmann regelmäßig in Saint-Tropez besuchte. Der Einfluss des französischen Künstlers ist in vielen Arbeiten deutlich spürbar.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Werke weiterer bedeutender Künstler der Hamburgischen Sezession wie Karl Kluth, Eduard Bargheer oder Dorothea Maetzel-Johannsen. Die Künstlergruppe gehörte in den 1920er Jahren zu den wichtigsten Vereinigungen norddeutscher Moderne. Ihre Geschichte endete jedoch abrupt im Jahr 1933, als die Nationalsozialisten die Gruppe aufgrund ihrer jüdischen Mitglieder auflösten. Auch die Künstlerin Anita Rée fand einst in Kampen ihr Zuhause – unweit der heutigen Galerie erinnert noch heute ein Stolperstein an sie. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Einen spannenden Kontrast zu diesen historischen Positionen bilden die Arbeiten von Dieter Glasmacher. Der heute 86-jährige Künstler gilt als früher Vertreter einer wilden, beinahe anarchischen Form der Straßenkunst – lange bevor Künstler wie Jean-Michel Basquiat international bekannt wurden. Bereits in den 1960er Jahren bemalte Glasmacher Häuserfassaden in Hamburg und gestaltete komplette Innenräume, darunter auch das legendäre „Grünspan“. In der Galerie Herold ist nun bereits seine dritte Einzelausstellung zu sehen. Über die Pfingsttage wird der Künstler persönlich vor Ort sein.

Glasmachers Werke wirken spontan, verspielt und manchmal fast kindlich. Figuren, Schriftzüge und skurrile Szenen tauchen überall auf. Hinter der scheinbaren Leichtigkeit steckt jedoch enormes handwerkliches Können. Der Künstler arbeitet auf Papier, Leinwand, Holzplatten oder alten Türen – selbst eine ehemalige Stalltür wird bei ihm zum Kunstwerk.

Viele seiner Arbeiten erzählen Geschichten. Einige entstanden auf Reisen durch Afrika, wo Glasmacher gemeinsam mit Künstlerfreunden unterwegs war und täglich neue Eindrücke festhielt. Andere Werke greifen Schlagzeilen, Alltagssätze oder spontane Gedanken auf. Gerade diese Mischung aus Humor, Improvisation und künstlerischer Freiheit verleiht seinen Arbeiten ihre besondere Lebendigkeit. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich Kunst sein kann – und wie gut Gegensätze miteinander funktionieren. Zwischen expressionistischen Hafenbildern, norddeutschen Wattlandschaften und farbintensiver Straßenkunst entsteht eine Schau voller Energie, Atmosphäre und überraschender Geschichten.

Bereits 2024 eröffnete Katharina Herold auf Mallorca zudem die „Heroldian Art“. In einem historischen Townhouse im Ort Felanitx vereint das Konzept Künstlerresidenz, Galerie und privaten Wohnraum. Die individuell kuratierten Räume verbinden Werke aus dem Galerieprogramm mit persönlichen Sammlungsstücken und internationalen Fundstücken. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Die Galerie Herold feiert in diesem Jahr Ihr 30-jähriges Jubiläum und  ist täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet, sonntags ab 12 Uhr. Sie richtet sich gleichermaßen an kunstinteressierte Besucher und Sammler und bietet einen fundierten, zugleich zugänglichen Einblick in bedeutende Positionen der Kunstgeschichte sowie aktuelle Entwicklungen der Gegenwartskunst. 

Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.