Westerland. Mit der Taufe des ersten ICE L im Bahnhof Westerland hat die Deutsche Bahn eine neue Generation des Fernverkehrs auf die Strecke gebracht. Der Zug trägt künftig den Namen Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und steht symbolisch für die Verbindung von moderner Mobilität und Naturschutz.
Anlässlich der offiziellen Betriebsaufnahme zwischen Sylt und Hamburg fand die Taufzeremonie im Beisein von Ute Plambeck, Claus Ruhe Madsen und Franziska Junge statt. Der Zug wurde traditionell mit Nordseewasser getauft. Die Namensgebung würdigt einen der bedeutendsten Naturräume Europas, der seit Jahrzehnten unter besonderem Schutz steht und zugleich als sensibles Ökosystem gilt.
Seit dem 1. Mai ist der ICE L regulär mit zwei täglichen Zugpaaren zwischen Westerland und Hamburg im Einsatz. Ab dem 14. Juni wird zudem wieder eine Direktverbindung nach Berlin angeboten. Ab dem 11. Juli folgen weitere touristische Verbindungen, unter anderem von Frankfurt am Main über Gießen sowie von Köln über Münster nach Westerland.
Mit der Einführung des neuen Zugtyps verändert sich auch die Anbindung an die nordfriesischen Inseln. Die direkte Kurswagenverbindung zum Fährhafen Dagebüll entfällt. Stattdessen wurde ein abgestimmter Pendelverkehr zwischen Niebüll und Dagebüll eingerichtet, der Anschlüsse an die ICE-Verbindungen sicherstellt.
Der ICE L setzt vor allem beim Reisekomfort neue Maßstäbe. Ein stufenloser Einstieg erleichtert den Zugang für alle Fahrgäste. Ergänzt wird dies durch breitere Türen sowie spezielle Rollstuhlplätze mit höhenverstellbaren Tischen. Das neue Innenraumdesign mit angepasster Lichtsteuerung sorgt für ein modernes und angenehmes Raumgefühl.
Insgesamt verfügt der Zug über 562 neu entwickelte Sitze, die mit Steckdosen, Klapptischen und Tablethaltern ausgestattet sind. Großzügige Gepäckbereiche sowie neue Reservierungsanzeigen mit LED-Technik verbessern die Orientierung im Zug. Auch die digitale Infrastruktur wurde weiterentwickelt: Spezielle Fensterscheiben ermöglichen einen deutlich stabileren Mobilfunkempfang während der Fahrt.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Familienfreundlichkeit. Mit 46 Plätzen bietet der ICE L den größten Familienbereich innerhalb der ICE-Flotte. Ergänzt wird dieses Angebot durch zusätzliche Plätze im Kleinkindabteil.
Mit der Taufe des Zuges rückt zugleich das Wattenmeer stärker in den Fokus. Die einzigartige Naturlandschaft gilt als Hotspot der Biodiversität und ist Teil des UNESCO-Weltnaturerbes. Gleichzeitig steht sie durch Klimawandel und Nutzung unter Druck. Der Schutz der natürlichen Prozesse bleibt zentrales Ziel des Nationalparks.
Als Mitglied der Initiative „Fahrtziel Natur“ setzt der Nationalpark bereits seit Jahren auf eine Verlagerung des Verkehrs auf umweltfreundliche Verkehrsmittel. Mit dem ICE L wird diese Entwicklung weiter gestärkt. Die Insel Sylt wird komfortabler erreichbar, während gleichzeitig ein Beitrag zu nachhaltigem Tourismus und Klimaschutz geleistet wird.