Sylt. Mit dem Erwerb des Pferdehofs im Boy Peter Eben Weg hat die Gemeinde Sylt eine richtungsweisende Entscheidung für die Zukunft des Ortsteils getroffen. Im Mittelpunkt steht dabei ein klares Ziel: die Sicherung der Pferdehaltung als prägendes Element auf der Insel und zugleich die Offenhaltung von Entwicklungsperspektiven für kommende Generationen.
Bereits bei der Besichtigung im Vorfeld der Ortsbeiratssitzung zeigte sich, dass sich der Hof in einem insgesamt guten und funktionalen Zustand befindet. Die vorhandenen Gebäude von der Reithalle über Stallanlagen bis hin zu Wohngebäuden und Wirtschaftsflächen bieten eine solide Grundlage für einen stabilen Weiterbetrieb.
Dass dem Ortsbeirat Tinnum gefolgt wurde und die Gemeinde den Hof erworben hat, ist ein Zeichen, dass Tinnum mit seinen Anliegen in der Gemeindevertretung Sylt ernst genommen wird. Der Kauf verhindert eine störende gewerbliche Nutzung und sichert eine Fläche, die nicht nur landwirtschaftlich, sondern auch gesellschaftlich von hoher Bedeutung ist. Gerade für Tinnum mit seiner direkten Nähe zur Boy Lornsen Schule, Kita Tinnum, dem Litjenwai und der bestehenden Sportfläche ist diese strategische Sicherung ein wichtiges Signal.
Besonders hervorzuheben ist dabei auch, dass der gesamte Prozess vergleichsweise schnell über die Bühne gegangen ist. In enger Abstimmung zwischen Marcus Kopplin (Kommunales Liegenschaftsmanagement Sylt), dem Ortsbeiratsvorsitzenden Raphael Ipsen sowie seinem Stellvertreter Markus Gieppner ist es gelungen, das Thema sehr zügig auf die Agenda zu bringen, erste Umsetzungsschritte einzuleiten und gemeinsam mit dem Fachdienst Finanzen sowie der Politik der Gemeinde Sylt kurzfristig, unkompliziert und lösungsorientiert eine tragfähige Grundlage für alle Beteiligten zu schaffen.
Einigkeit bestand in der Sitzung darüber, dass die Pferdehaltung das zentrale Element des Standorts bleiben muss. Sie ist auf Sylt weit mehr als ein Freizeitangebot. Sie ist eng verbunden mit Traditionen wie dem Ringreiten und dem ländlichen Charakter der Insel.
Der Bedarf an Stallplätzen ist vorhanden, die bestehenden Kapazitäten werden gebraucht. Entsprechend positiv wurde auch die Bereitschaft der aktuellen Einstellergemeinschaft aufgenommen, Verantwortung zu übernehmen und den Betrieb in der Übergangsphase eigenständig zu organisieren. Dieses Engagement zeigt, wie stark der Hof bereits heute in der lokalen Gemeinschaft verankert ist.
Mit der geplanten Übergabe zum 1. Juli 2026 beginnt eine sensible Phase. Die bisherigen Eigentümer ziehen sich zurück, gleichzeitig ist der vollständige Eigentumsübergang noch nicht abgeschlossen.
Die Gemeinde setzt hier bewusst auf eine pragmatische Lösung:
Die bestehenden Pferde bleiben vor Ort, neue Tiere werden nicht aufgenommen. Parallel organisiert sich die Stallgemeinschaft, um Versorgung und Betrieb sicherzustellen, unterstützt durch die Verwaltung.
Auch wirtschaftlich wird diese Phase abgefedert. Reduzierte Einstellmieten schaffen Spielraum für notwendige Unterstützung und sichern Stabilität. Gleichzeitig sind Versicherungsfragen und Haftung klar geregelt, sodass der Betrieb weiterlaufen kann.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Sicherung der Futtergrundlage. Die bestehenden Pachtflächen sollen möglichst erhalten bleiben, um eine regionale und nachhaltige Versorgung der Tiere zu gewährleisten. Für die laufende Saison ist die Heuernte bereits organisiert, mögliche Engpässe können durch Zukauf ausgeglichen werden.
Damit wird deutlich: Der Pferdehof wird nicht nur verwaltet, sondern aktiv als funktionierender Betrieb gedacht.
So klar die Sicherung der Pferdehaltung ist, so deutlich wurde in der Sitzung auch: Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum auf Sylt bleibt hoch und wird perspektivisch weiter steigen.
Gerade die Entwicklungen im direkten Umfeld unterstreichen diese Dynamik. Das Projekt Litjenwai hat eindrucksvoll gezeigt, wie groß die Nachfrage insbesondere bei Familien ist. Die dort entstandenen Haushälften waren schnell vergeben, ein klares Signal für den anhaltenden Druck auf dem Wohnungsmarkt.
Auch das Kommunale Liegenschaftsmanagement Sylt steht weiterhin vor der Herausforderung, diese Nachfrage zu bedienen und neue, geeignete Flächen zu identifizieren.
Vor diesem Hintergrund kommt dem gesamten Areal in Tinnum eine besondere Bedeutung zu. Während der Pferdehof selbst vorerst als Standort der Pferdehaltung dienen soll, richten sich die Entwicklungsperspektiven bewusst auf alle angrenzenden Flächen:
· Sportplatz
· Parkplatz
· Pferdehof
Im Rahmen eines abgestimmten Gesamtkonzepts können und müssen neue Wohnbaupotenziale und eine neue Sporthalle für die Schule entstehen, etwa durch Flächentausch oder Neuordnung der bisherigen Nutzungen.
Damit entsteht ein klar strukturierter Ansatz für die Zukunft:
Kurz und mittelfristig: Sicherung und Stärkung der Pferdehaltung
Langfristig: Entwicklung von dringend benötigtem Wohnraum auf geeigneten Flächen im Umfeld
Diese Trennung schafft Planungssicherheit und verhindert Nutzungskonflikte, ein wichtiger Faktor in diesem sensiblen Umfeld.
Nach vollständigem Eigentumsübergang plant die Gemeinde, den Hof als Einheit neu zu verpachten. Vorgesehen ist ein Interessenbekundungsverfahren mit Ideenwettbewerb.
Ziel ist ein tragfähiges, wirtschaftlich solides Konzept, das die bestehende Struktur erhält und sinnvoll ergänzt, etwa durch:
· pferdebezogene Dienstleistungen
· kleinere, hofnahe Angebote wie Café oder Hofladen
· Bildungs und Workshopformate für die angrenzende Kita und Schule
Wichtig bleibt dabei die klare Linie: keine störenden gewerblichen Nutzungen, sondern eine Entwicklung im Einklang mit Ort, Landschaft und bestehender Struktur.
Der Pferdehof Tinnum steht beispielhaft für eine vorausschauende und ausgewogene Flächenpolitik auf Sylt.
Die Gemeinde Sylt sichert ein funktionierendes, identitätsstiftendes Element der Insel und behält gleichzeitig die drängendste Zukunftsfrage im Blick: den Wohnraum.
Ein Ansatz, der zeigt, dass beides möglich ist, wenn Entwicklung klug gedacht und Schritt für Schritt umgesetzt wird.