Das Thema "Wohnen auf Sylt" bleibt eines der sensibelsten der Inselpolitik. Doch die Lage ist nicht mehr so dramatisch wie noch vor zehn oder fünfzehn Jahren. Das machte Markus Gieppner, Fraktionsvorsitzender der Insulaner, jetzt im Gespräch mit dem Sylter Journal deutlich.
Auslöser der Debatte war ein viel beachteter Bericht, in dem von einer angeblich weiterhin massiven Wohnungsnot auf Sylt die Rede war. Dort tauchte erneut die Zahl von 2.800 fehlenden Wohnungen auf. Für Gieppner ist diese Zahl so nicht haltbar. Er kritisiert, dass ein neues Gutachten des Kreises offenbar ohne enge Rückkopplung mit den Gemeinden erstellt wurde. Sein Vorwurf: Es vermittele den Eindruck, als sei in den vergangenen Jahren auf Sylt beim Wohnungsbau nichts passiert.
Dabei habe sich sehr wohl viel bewegt. Allein der KLM verfüge heute über rund 1.200 Wohnungen. Dazu kommen neue Projekte in List, Wenningstedt, Westerland und weiteren Inselorten. Auch weitere Bauvorhaben seien bereits in Planung. Gieppner betont deshalb, dass sich die Lage spürbar verbessert habe. Von einer vollständigen Entspannung könne zwar keine Rede sein, aber von einer deutlichen Verbesserung sehr wohl.
Aktuell liege die Zahl der Wohnungssuchenden laut Gieppner bei rund 450. Das sei immer noch hoch, aber weit entfernt von den 2.800 Wohnungen, die öffentlich im Raum stünden. Zudem sei zu berücksichtigen, dass nicht alle Suchenden akut obdachlos seien. Viele wollten sich vergrößern, verkleinern oder aus teuren beziehungsweise unsicheren Wohnverhältnissen in eine bessere Situation wechseln.
Ein weiterer Streitpunkt bleibt die Diskussion um Ferienwohnungen. Gieppner machte deutlich, wie kompliziert die rechtliche Lage tatsächlich ist. Viele Objekte seien historisch gewachsen. Was heute als problematische Nutzung gelte, sei über Jahrzehnte geduldet oder nie klar geregelt worden. Pauschale Vorwürfe gegen Eigentümer hält er deshalb für falsch. Zugleich sei klar, dass Dauerwohnraum geschützt und illegale Umwandlungen verhindert werden müssten.
Für die Gemeinden bedeutet das einen enormen Aufwand. Bebauungspläne müssen überprüft, angepasst und teils komplett neu bewertet werden. Allein in der Gemeinde Sylt geht es um mehr als 130 Pläne. Das koste Zeit, Geld und Personal. Trotzdem sieht Gieppner die Insel auf dem richtigen Weg.
Sein Fazit ist klar. Sylt hat weiter ein Wohnungsproblem, aber keine ausweglose Wohnungsnot mehr wie früher. Es wurde gebaut, es wird weiter gebaut und die Politik arbeitet daran, Dauerwohnraum zu sichern, ohne den Tourismus als wichtigste wirtschaftliche Grundlage der Insel zu gefährden. Oder anders gesagt: Sylt braucht beides. Bezahlbaren Wohnraum für Insulaner und verlässliche Perspektiven für Gäste und Vermieter.