Immer wieder bin ich gefragt worden, ob es Qualitätsnachweise gäbe, mit denen Komiker die Güte ihrer Arbeit nachweisen können. Ja, das ist möglich – sehr präzise sogar. Als recht schöner Leistungsnachweis unserer Arbeit gilt, wenn sich ein Besucher während der Veranstaltung buchstäblich tot lacht. Dadurch erfährt man bei Kollegen Anerkennung so wie nach der Zuerkennung eines Grimme-Preises. Gut, beim ersten Mal ist die Situation für uns Künstler noch ungewohnt, wenn der Totgelachte mit verdrehten Augen und offenem Mund schlaff im Sessel hängt. Erstens fällt er bei der nächsten Pointe als Stimmungs-Kanone aus, zweitens könnten die Sitznachbarn denken, er hätte einen Gag nicht verstanden. Daraufhin stupsten sie ihn kumpelig-bäuerlich an, wie das bei Menschen erforderlich ist, die eine Lachveranstaltung nicht so häufig aufsuchen. Durch den gut gemeinten Rempler stürzt die entseelte Person womöglich aber nach vorne und liegt dann bäuchlings vor der Bühne. Dafür gibt es dann noch einen kräftigen Lacher, doch anschließend wird sich große Betroffenheit breitmachen.

Wie geht es jetzt weiter? Muss der Bühnen-Hallodri sein Programm umstellen und den gerade noch so begeisterten, aber nun auffällig ruhigen Gast zum Mittelpunkt seiner guten Laune machen? Oder holt er den Defibrillator aus dem Backstage-Bereich und jagt zwecks Reanimation 20.000 Volt Windkraft durch den Atemlosen? Fragen über Fragen.

Auch steht die Frage im Raum, ob das Eintrittsgeld zurückgezahlt werden muss, da ein Großteil der Pointen von dem Delinquenten gar nicht goutiert werden konnten. Da aber hilft uns ein höchstrichterliches Urteil. Das besagt, wenn mehr als die Hälfte des Programms dargeboten wurde, gibt‘s kein Geld zurück. Hat Opa aber noch in der ersten Hälfte „abgelacht“, bekommt er - also seine Erben - das Eintrittsgeld zurück. Wenn ein Erbschein vorliegt. Ja aber hallo! So lustig ist das alles ja auch nicht!

Meine Lehre daraus: Bahn oder Bühne - es geht immer um Leben oder Tod.

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Obwohl - manchmal ist Bühnenarbeit wie Schuften im Kohlebergwerk - wie Schicht im Schacht. Einmal hatte mich der Pflegedienst „Abendrot“ in Drüsenbüttel an der Knatter gebucht. Mein Ton perlte nicht - wie sonst - aus den Lautsprechern, sondern wurde direkt in die Hörgeräte eingespeist. Auf dem Weg in die Garderobe stolperte ich über Rollatoren und Gehhilfen. Statt geiler Groupies klopfte ein muskulöser Altenpfleger an die Tür und fragte, ob ich Pfefferminztee trinken möchte oder Kamille bevorzuge. Das war mein Alltag: trocken Brot statt fetter Torte.

Warum begreifen die Leute das nicht? Wenn man jeden Abend auf der Bühne verbringt, sich als Rampensau öffnen muss, seine Seele zu Markte trägt für die Unterhaltung der Menschen unten im Saal, dann ist bei uns Druck auf dem Kessel! Unser Puls schnellt auf 120 hoch und unsere wild schlagenden Herzen pumpen reines Adrenalin durch die Schläuche. Dann erwarten wir, wenn ihr uns mit rhythmischem Geklatsche immer wieder zurück auf die Bühne holt, für Zugaben oder um uns mit Blumen, Teddys oder Dessous zu bewerfen, dass dann nachher zehn nackte Frisösen in der Garderobe auf uns warten… Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Kurzbeschreibung Manfred Degen

Zwischen Goldstaub und Inselbühnen Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Seit 35 Jahren gehört Manfred Degen zum festen Klang der Inseln. Mit seiner ersten Kolumne im „Sylter Spiegel“ begann eine Erfolgsgeschichte, die weit über Sylt hinausstrahlt – und auch Föhr nachhaltig geprägt hat.

Während er auf Sylt den augenzwinkernden Begriff der „Goldstaubinsel“ etablierte und mit 24 ausverkauften Shows in Folge Kultstatus erreichte, war er auf Föhr über zwei Jahrzehnte hinweg ein gern gesehener Gast. Als Moderator und Entertainer brachte er Veranstaltungen mit Witz, Charme und norddeutscher Leichtigkeit auf den Punkt. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Seine besondere Stärke: Geschichten, die tragen. Geschichten, die einen Saal füllen – und ein Publikum für einen Moment aus dem Alltag heben. Genau dieses Gespür machte ihn zu einer festen Größe auf den Inselbühnen. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Heute ist Manfred Degen wieder regelmäßig auf Sylt zu erleben. Und auch wenn die großen Serienauftritte vergangen sind, bleibt sein Name eng mit der Inselkultur verbunden – als Erzähler, Entertainer und echtes Original zwischen Nordsee, Bühne und Publikum.