Tinnum. Ein besonderer Abend erfüllte die Schlaraffenburg in Tinnum, als die Schlaraffia Perla Sylta zur 2000. Sippung zusammenkam. In der Syltburg an der Rollbahn versammelten sich die Sassen des Reyches Nr. 344 zu einem Jubiläum, das die lange und lebendige Geschichte der schlaraffischen Gemeinschaft auf Sylt widerspiegelt. Etwa 50 Schlaraffen nahmen an der festlichen Zusammenkunft teil, zu der auch zahlreiche Gäste aus anderen Reychen angereist waren.
Die Wurzeln der Bewegung reichen weit zurück. Am 10. Oktober 1859 wurde die Schlaraffia in Prag gegründet. Aus einer humorvollen Künstler- und Freundesrunde entwickelte sich ein weltweiter deutschsprachiger Männerbund, der bis heute der Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor verpflichtet ist. Der Uhu gilt als Symbol der Vereinigung, während der Wahlspruch „In arte voluptas“ das Selbstverständnis der Schlaraffen beschreibt: In der Kunst liegt die Lust.
Auch auf Sylt fand diese Idee früh ihren Platz. Am 23. Mai 1959 entstand die Schlaraffia Perla Sylta, deren Reych die Nummer 344 trägt. Seitdem residieren die Sassen in ihrer Burg in Tinnum. Die Burg gleicht einem mittelalterlichen Rittersaal und bildet den stimmungsvollen Rahmen für die regelmäßigen Zusammenkünfte, die in der schlaraffischen Sprache Sippungen genannt werden.
Die Treffen folgen einem festen Rhythmus. Während der sogenannten Winterung, die auf der Nordhalbkugel vom 1. Oktober bis zum 30. April dauert, kommen die Schlaraffen einmal wöchentlich am Freitag Abend zusammen. In ritterlicher Atmosphäre werden Lieder vorgetragen, Verse geschmiedet, kleine Kunststücke dargeboten und mit feinsinnigem Humor auf das Leben geblickt. Das schlaraffische Spiel lebt von Wortwitz, Fantasie und einer traditionsreichen Sprache, die seit Generationen gepflegt wird.
Auch bei der Jubiläumssippung zeigte sich diese besondere Gemeinschaft. Die Leitung der Sippung lag in den Händen Ihrer Herrlichkeiten Ritter LaLü (Raimund Foth) und Ritter Dentissimo (Dr. Johann-Christoph Hops). Im Kreis der Sassen wurde deutlich, was den Geist der Schlaraffia ausmacht: In der Burg zählt allein die Freundschaft, während Berufe und Titel vor den Toren der Burg verbleiben.
Unter den Gästen befanden sich auch Vertreter der Inselpolitik. Bürgervorsteher Andreas Dobrzinski überbrachte die Grüße der Gemeindevertretung. Für ihn besitzt die Verbindung eine besondere persönliche Bedeutung, denn bereits sein Vater gehörte als Ritter Amtlich zu den Gründungsmitgliedern der Perla Sylta. Auch der stellvertretende Bürgermeister Carsten Kerkamm richtete Grußworte der Gemeinde Sylt aus und zeigte sich beeindruckt von der lebendigen Tradition der Sippung.
Eine besondere Rolle in der Geschichte der Sylter Schlaraffen spielt die Burg Flensburgia, die als Mutterburg der Perla Sylta gilt. Von dort ging 1959 die Anregung zur Gründung des Sylter Reyches aus, und von dort erhielt die junge Gemeinschaft auch ihren Namen. Mit der Flensburger Burg verbindet die Sylter Schlaraffen bis heute eine enge Freundschaft. Ritter Sün Herr (Niels Nielsen) ist dort Ehrenritter.
Im Verlauf des Abends folgten weitere Fechsungen der Gäste aus anderen Reychen, die mit Witz, Musik und dichterischer Kunst den festlichen Rahmen bereicherten. Begleitet am Klavier erklangen eigene schlaraffische Lieder, und so wurde die Jubiläumssippung zu einem Abend voller Humor, Fantasie und kameradschaftlicher Verbundenheit.
Die 2000. Sippung markiert damit nicht nur eine beeindruckende Zahl, sondern auch Jahrzehnte lebendiger Vereinsgeschichte auf Sylt. G enerationen von Schlaraffen haben in der Syltburg ihre Verse vorgetragen, Lieder angestimmt und im Geiste von „In arte voluptas“ die Freude an der Kunst gepflegt.
Wer diese besondere Welt kennenlernen möchte, findet offene Tore. Jeden Freitagabend während der Winterung ab 19.30 Uhr versammeln sich die Sassen in der Burg zur Sippung. Neue Gäste sind willkommen, denn oft beginnt der Weg in die Schlaraffia ganz einfach mit einem Gespräch – und der Entdeckung einer Gemeinschaft, in der Freundschaft, Humor und Kunst seit vielen Jahrzehnten ihren festen Platz haben.