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Pflegenotstand auf Sylt: Wohnraum bleibt das Nadelöhr
Im „Sylter Journal“, der wöchentlichen Radiosendung mit Conny Reckert und Frank Bremser, ging es diesmal um ein Thema, das viele Insulaner bewegt: die Pflegeversorgung auf Sylt. Die Sendung läuft jeden Freitag um 18 Uhr auf radiosylt.de und greift regelmäßig aktuelle Inselthemen auf. Zu Gast war diesmal Ulrike Körbs, Vorsitzende des Sozialausschusses der Gemeinde Sylt.
Im Mittelpunkt stand eine Frage, die auf der Insel seit Jahren diskutiert wird: Warum fehlen weiterhin Pflegeplätze und warum verbessert sich die Situation kaum?
Aktuell stehen auf Sylt rund 77 stationäre Pflegebetten zur Verfügung, dazu kommen 15 Plätze in der Tagespflege und elf Plätze in Wohngemeinschaften. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass künftig bis zu 118 Pflegeplätze benötigt werden. Doch selbst wenn neue Betten geschaffen würden, bleibt ein weiteres Problem bestehen: Es fehlen Pflegekräfte. Und der Hauptgrund dafür ist nach Einschätzung vieler Beteiligter der fehlende Wohnraum.
„Es liegt nicht am Gehalt oder an den Arbeitsbedingungen“, sagte Körbs in der Sendung. „Viele Pflegekräfte würden gerne auf Sylt arbeiten. Aber wenn sie mit Familie kommen wollen, finden sie kaum eine passende Wohnung.“
Welche Folgen das hat, zeigte Moderatorin Conny Reckert anhand einer persönlichen Erfahrung. Ihre Mutter sollte eigentlich ihren Lebensabend auf Sylt verbringen. Ein Pflegeplatz auf der Insel war jedoch nicht zu bekommen. Am Ende musste sie in ein Pflegeheim nach Leck auf dem Festland umziehen. Für die Familie bedeutet das lange Anfahrten und deutlich weniger spontane Besuche.
Dieses Schicksal teilen viele Insulaner. Nach Einschätzung aus der Sendung leben bereits zahlreiche Sylter Seniorinnen und Senioren in Pflegeeinrichtungen auf dem Festland, weil auf der Insel keine Plätze frei sind.
Körbs machte deutlich, dass der Zeitdruck wächst. Die Verträge mit den Johannitern für das bestehende Pflegeheim laufen bis 2030. Gleichzeitig gilt die Einrichtung mit 55 Betten langfristig als zu klein. Auch das kleinere Heim des DRK mit 22 Betten steht vor Herausforderungen. Diskutiert wird derzeit unter anderem eine Erweiterung bestehender Einrichtungen.
Kritisch sieht Körbs, dass frühere Angebote für neue Pflegeheime nicht umgesetzt wurden. So habe es ein Investitionsangebot gegeben, bei dem neben Pflegeplätzen auch Wohnungen für Pflegekräfte entstanden wären. Dieses Projekt sei politisch nicht weiterverfolgt worden.
Neben der stationären Pflege rückte in der Diskussion besonders die ambulante Versorgung in den Mittelpunkt. Auf Sylt arbeiten derzeit nur noch drei ambulante Pflegedienste. Auch sie kämpfen mit Personalmangel und Wohnraumproblemen. Körbs sieht hier kurzfristig den größten Hebel. Wenn ambulante Dienste mehr Personal hätten, könnten viele Menschen länger zu Hause bleiben und müssten nicht sofort in ein Pflegeheim ziehen.
Einige Maßnahmen ließen sich aus ihrer Sicht schnell umsetzen. Dazu gehören etwa Sonderparkregelungen für Pflegedienste oder gezielte Wohnangebote für Pflegekräfte. „Ein Pflegeheim zu bauen dauert Jahre“, sagte Körbs. „Aber die ambulanten Dienste könnten wir sofort stärken.“
Zum Ende der Sendung kam noch ein weiteres Thema auf, das indirekt mit dem Pflegeproblem zusammenhängt: der Mangel an Dauerwohnraum auf der Insel. Als Beispiel nannten die Moderatoren aktuelle Diskussionen in Kampen. Dort versucht die Gemeinde seit Jahren, neue Wohnungen für Beschäftigte und Dauerbewohner zu schaffen. Nach Angaben aus der Sendung wird das Projekt jedoch von einigen Zweitwohnungsbesitzern kritisch gesehen und immer wieder verzögert.
Für viele auf Sylt zeigt sich hier ein grundsätzliches Problem: Die Insel braucht dringend Wohnraum für Menschen, die hier arbeiten – ob in der Pflege, in der Gastronomie oder im Handwerk. Ohne diesen Wohnraum lassen sich zentrale Aufgaben der Daseinsvorsorge kaum sichern.
Die Diskussion im „Sylter Journal“ machte deshalb deutlich: Das Pflegeproblem auf Sylt lässt sich nicht allein mit mehr Betten lösen. Ohne Wohnungen für Pflegekräfte und andere Beschäftigte wird sich die Lage kaum verbessern.
Der vollständige Beitrag ist im Podcast des „Sylter Journal“ zu hören. Die Sendung läuft jeden Freitag um 18 Uhr auf radiosylt.de und wird am Wochenende wiederholt.