Hörnum. Die geplante Fußgängerzone in Hörnum lässt weiter auf sich warten. Bereits vor mehr als einem Jahr hatte die Gemeindevertretung beschlossen, einen rund 160 Meter langen Abschnitt vom Edeka-Markt bis zum Hotel „54 Grad Nord“ in eine Fußgängerzone umzuwandeln. Doch die Umsetzung verzögert sich auf unbestimmte Zeit.
Bürgermeister Udo Hanrieder sprach auf der Einwohnerversammlung selbst von einer „Groteske“ und zeigte sich sarkastisch: Vielleicht werde der Hafen schneller fertig als die Fußgängerzone.
Hintergrund sind bislang ausstehende verkehrsrechtliche Anordnungen des Kreises sowie offene Fragen zur alternativen Verkehrsführung. Zudem steht ein notwendiges Entwidmungsverfahren im Raum. Nach Angaben aus der Gemeinde bestehen hierzu innerhalb der Verwaltung offenbar Unsicherheiten. Inzwischen wurde eine Anwaltskanzlei mit der rechtlichen Klärung beauftragt.
Genau hier setzt deutliche Kritik an. Ein Entwidmungsverfahren ist ein geregelter verwaltungsrechtlicher Vorgang. Dazu gehört insbesondere die öffentliche Auslegung der Planunterlagen sowie die transparente Offenlegung sämtlicher Entwidmungen. Die entsprechenden Abläufe sind im Straßen- und Wegerecht klar definiert.
Unverständnis ruft hervor, dass externe Juristen eingeschaltet wurden, obwohl von Tagessätzen in Höhe von rund 2.500 Euro auszugehen ist. Kritische Stimmen verweisen darauf, dass zunächst die Kommunalaufsicht hätte kontaktiert werden können. Auch ein fachlicher Austausch mit benachbarten Verwaltungen – etwa dem Amt Südtondern – hätte möglicherweise schnell Klarheit gebracht.
Darüber hinaus verfügen ehemalige Mitarbeiter der Inselverwaltung, die weiterhin kommunalpolitisch aktiv sind, über entsprechende Erfahrung mit solchen Verfahren. Dieses Wissen hätte nach Ansicht von Kritikern ebenfalls genutzt werden können.
In der Sache selbst besteht Einigkeit: Die Fußgängerzone soll zur dauerhaften Verkehrsberuhigung beitragen und die Aufenthaltsqualität im Ort verbessern. Immer wieder wird von zu schnellen Fahrzeugen und Missachtungen der Einbahnregelung berichtet. Ein Unfall im Herbst 2024, bei dem ein Kind verletzt wurde, hatte die Diskussion zusätzlich verstärkt.
Auch im Podcast des Sylter Journal wurde das Thema bereits aufgegriffen und kritisch beleuchtet. Die öffentliche Debatte zeigt, dass die Verzögerung inzwischen über Hörnum hinaus wahrgenommen wird.
Doch während das Ziel unstrittig scheint, wächst der Unmut über den Ablauf. Nach mehr als einem Jahr steht weiterhin kein konkreter Zeitplan fest. Die Verzögerung wirft damit nicht nur verkehrspolitische Fragen auf, sondern auch organisatorische – insbesondere im Hinblick auf Effizienz, Kosten und interne Kompetenz innerhalb der Verwaltung.