Im “Sylter Journal” auf radiosylt.de setzen Conny Reckert und Frank Bremser in dieser Woche zwei Themen nach oben auf die Agenda. Die umstrittene Erhöhung der Wasserpreise und der Startschuss für „Kurs Sylt“, die neue Tourismusstrategie der Insel.
Beim Aufreger der Woche geht es um die Wasserpreise der EVS. Laut Gespräch in der Sendung liegt die Erhöhung bei gut 36 Prozent. Bekannt wurde das nur über eine kleine Anzeige in der Tageszeitung. Fraktionschef Peter Marnitz, SPD Gemeinde Sylt, kritisiert vor allem die Art der Kommunikation und die mangelnde Transparenz bei der Begründung. In einer Präsentation vor der Gemeindevertretung habe EVS-Vertreter Georg Wemmer zwar viel erklärt, aber zentrale Zahlen zur Kalkulation nicht offen gelegt. Preisvergleiche mit anderen Kommunen habe er zurückgewiesen. Gleichzeitig habe er mit einem Diagramm argumentiert, das aus Sicht von Marnitz nicht zur Aussage passte. Auch auf die Frage, ob die Preise nach abgeschlossenen Investitionen wieder sinken könnten, habe es keine klare Antwort gegeben. Für Marnitz ist das problematisch, weil nicht nur Privathaushalte zahlen, sondern auch Hotels und Gastronomie als Großverbraucher. Sein Fazit. Die Erklärung sei nicht seriös genug, der Ärger auf der Insel deshalb nachvollziehbar.
Im zweiten Teil kommt Kai Müller ins Studio. Er ist Bürgermeister von Wenningstedt-Braderup und Amtsvorsteher des Amtes Landschaft Sylt. Mit ihm sprechen Reckert und Bremser über „Kurs Sylt“. Das Projekt soll eine insulare Tourismusstrategie liefern, getragen von allen fünf Gemeinden und mit Beteiligung der Menschen auf der Insel. Müller sagt klar. Bürgerinnen und Bürger sind Experten für das Leben in einer Tourismusregion. Er verweist auf eine frühere Umfrage, nach der nur noch 27 Prozent der Sylter einen subjektiven Nutzen aus dem Tourismus sehen. Genau deshalb soll Beteiligung Vertrauen zurückholen.
Müller grenzt Beteiligung von Ja-Nein-Abstimmungen ab. Er setzt auf Bedarfe und Themencluster. Als Beispiel nennt er eine Einwohnerversammlung. Ein Wunsch nach einem Schwimmbad blieb singulär. Verkehrsthemen sammelten dagegen viele Beiträge. So entstehe ein Mandat, woran Politik und Verwaltung zuerst arbeiten sollen. Danach gehe es in die Umsetzung mit Fachleuten, Abwägungen und klaren Entscheidungen.
Für Wenningstedt-Braderup nennt Müller konkrete Leitlinien. Dauerwohnen soll um 10 bis 20 Prozent steigen. Tourismus soll auf dem aktuellen Niveau bleiben. Zweitwohnen soll sinken. Er untermauert das mit Zahlen. Rund 4000 Wohneinheiten insgesamt. Etwa 2000 Ferienwohnungen, die 2025 vermietet wurden. 1605 Zweitwohnungsbescheide, davon 921 als reines Zweitwohnen ohne Vermietung. Er betont. Es gehe nicht gegen Menschen, auch Zweitwohnungsbesitzer gehörten zur Inselgemeinschaft. Politik müsse aber mit Zahlen abwägen, damit Wohnen, Ehrenamt und Infrastruktur tragfähig bleiben.
Zum Zeitplan von „Kurs Sylt“ nennt Müller einen Bearbeitungsrahmen von etwa sechs Monaten, plus Ausschreibung und Begleitung durch eine Beteiligungsagentur. Entscheidend sei der gemeinsame Kurs, nicht das genaue Enddatum. Sein Ziel. Eine klare Richtung, die Tourismusverantwortlichen und Gemeinden verbindlich leitet, damit weniger Energie in Streit und mehr in Umsetzung fließt.
Reckert und Bremser stellen ihre Linie am Ende noch einmal heraus. Sie wollen Dialog statt Lagerdenken. Sie wollen Kritik zulassen, aber Gespräche so führen, dass Verantwortliche ihre Sicht erklären. Für die beiden ist das der Kern vom Sylter Journal. Themen offen auf den Tisch, Klartext von den Entscheidern und ein Kurs, der die Insel zusammenbringt.