Hörnum. Die Nordsee nimmt sich an Sylts Südspitze immer wieder ein Stück Land zurück. Doch manchmal bringt sie dabei auch längst vergessene Zeugnisse der Inselgeschichte ans Tageslicht. So geschehen Ende September 2026 an der Hörnum Odde: Nach stürmischen Tagen ragte plötzlich eine alte Backsteinsäule aus einer Düne. Eine eingelassene Eisenplakette mit der Jahreszahl 1897 und den Buchstaben „KM“ machte den ungewöhnlichen Fund besonders interessant. Wenige Tage später war das historische Bauwerk bereits den Naturgewalten zum Opfer gefallen.

Nach zwei stürmischen Tagen nutzten zahlreiche Spaziergänger das sonnige Wetter für einen Rundgang um die Hörnum Odde. Dabei wurden die Folgen der jüngsten Sandverluste deutlich sichtbar. Dünenhänge waren abgebrochen, Rosenbüsche ins Rutschen geraten. Zwischen Sand und freigelegten Wurzeln kam jedoch auch etwas zum Vorschein, das dort wohl kaum jemand erwartet hatte: ein Stück altes Mauerwerk. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Alte Landkarte liefert entscheidenden Hinweis

Besonders Christine und Roman wollten wissen, was es mit der Backsteinsäule auf sich hatte. Bei ihren Nachforschungen stießen sie mithilfe einer historischen Landkarte auf eine mögliche Erklärung.

Demnach handelt es sich bei dem Fund offenbar um einen trigonometrischen Vermessungspunkt. Solche festgelegten Punkte wurden früher genutzt, um Landschaften präzise zu vermessen, Entfernungen zu bestimmen und Karten anzufertigen. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Die Jahreszahl 1897 auf der Eisenplakette deutet darauf hin, dass die Säule bereits vor 129 Jahren errichtet wurde. Welche Bedeutung die ebenfalls eingravierten Buchstaben „KM“ haben, geht aus den vorliegenden Informationen nicht hervor.

Besonders bemerkenswert ist der heutige Fundort. Als die Säule aufgestellt wurde, befand sich ihr Standort vermutlich noch innerhalb des damaligen Inselgeländes. Inzwischen hat die fortschreitende Küstenerosion die Wasserkante bis an das historische Mauerwerk heranrücken lassen. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Am 25. September stürzte die Säule um

Lange hatte der alte Vermessungspunkt Wind, Wetter und den Veränderungen der Küstenlinie standgehalten. Doch am 25. September 2026 wurde das Mauerwerk durch hohe Wasserstände unterspült und stürzte schließlich um.

Damit endete die Geschichte eines Bauwerks, das fast 130 Jahre an seinem ursprünglichen Standort überdauert hatte. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Die umgestürzte Backsteinsäule blieb zunächst an Ort und Stelle liegen. Sie erinnert nun daran, wie stark sich die Hörnum Odde im Laufe der Jahrzehnte verändert hat.

Wo einst ausreichend Land für einen dauerhaft angelegten Vermessungspunkt vorhanden war, erreicht heute das Meer die alten Fundamente.

Ein Stück Inselgeschichte zwischen Sand und Meer

Der Fund zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass die Küstenerosion an der Hörnum Odde nicht nur die Landschaft verändert. Sie legt mitunter auch Spuren der Vergangenheit frei, die über viele Jahrzehnte verborgen waren.

Für Spaziergänger war die Backsteinsäule eine überraschende Entdeckung. Zugleich ist sie ein sichtbares Zeugnis dafür, wie weit die Nordsee an Sylts Südspitze inzwischen vorgedrungen ist.

Die Geschichte des Vermessungspunktes macht deutlich: An der Hörnum Odde verändert sich nicht nur das Gesicht der Insel. Manchmal verschwindet mit dem Sand auch ein Stück ihrer Geschichte. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Quelle: Günter Schroeder, www.sylt-historie.de