Tinnum. Mit dem Beschluss zur Änderung des Bebauungsplans am Kiarwai hat die Gemeinde Sylt kurz vor Weihnachten die formalen Voraussetzungen für den geplanten Lidl Neubau in Tinnum geschaffen. Politisch ist das Vorhaben damit auf den Weg gebracht. Für den Ortsteil verbindet sich damit vor allem eine Hoffnung: eine moderne Nahversorgung und eine spürbare Aufwertung des gesamten Standortes.
Der Neubau des Marktes gilt als sinnvoller Schritt. Dabei geht es nicht nur um ein neues Gebäude, sondern um eine Standortentwicklung, die nach aktuellem Planungsstand Maßstäbe setzen soll. Der neue Lidl in Tinnum soll zu den modernsten Märkten in ganz Deutschland zählen. Insbesondere in den Bereichen CO2 Nachhaltigkeit und energetische Versorgung ist ein zukunftsweisendes Konzept vorgesehen. Der Markt soll weitgehend autark mit Energie betrieben werden und könnte damit in dieser Form zu einem Vorzeigeprojekt für moderne Nahversorgung werden.
Positiv hervorzuheben ist außerdem die geplante Wohnnutzung im Obergeschoss. Wohnungen sind auf Sylt rar, der Bedarf ist unbestritten. Im Neubau sollen Wohnungen entstehen, die ausdrücklich Syltern zugutekommen sollen. Vorgesehen ist hierfür auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Liegenschafts Management Sylt. Ziel ist es, die Wohnungen so zu vergeben, dass sie dauerhaft auf der Insel wirken und durch flexible Belegungsmodelle auch Lösungen möglich werden, etwa wenn Mitarbeiter nicht zwangsläufig am eigenen Arbeitsort wohnen müssen und Belegungsrechte sinnvoll untereinander abgestimmt oder getauscht werden können.
Der Zeitplan bleibt dennoch lang. Zwar ist die Umsetzung inzwischen sichtbar angelaufen, denn der Abriss des ehemaligen Stolz Gebäudes befindet sich bereits im vollen Gange. Eine Eröffnung des neuen Marktes wird nach derzeitigem Stand jedoch nicht vor 2027 in Aussicht gestellt.
Ein weiterer Punkt bleibt für Tinnum besonders spannend: die Zukunft des bisherigen Lidl Standortes. Ideen für eine Nachnutzung reichen von der Ansiedlung einer bekannten Drogeriemarktkette über die Rückkehr einer Apotheke bis hin zu ergänzenden Angeboten wie einer kleineren Imbissfläche. Gerade eine wohnortnahe Apotheke wäre für Tinnum und den gesamten Sylter Osten ein wichtiges Signal und würde die Versorgung deutlich verbessern. Verbindliche Zusagen gibt es bislang nicht, doch allein die Diskussion zeigt das Potenzial des Standorts.
Deutlich kritischer wird dagegen der geplante Ausbau der Straße Kiarwai bewertet. Dass der Kiarwai infrastrukturell erneuert werden muss, wird kaum bestritten. Leitungen und Straßenraum sind technisch in die Jahre gekommen. Doch die vorgelegten Planungen haben in Verwaltung und Politik bereits erhebliche Diskussionen ausgelöst. Aus Sicht der großen überwiegenden Mehrheit der Beteiligten sind die Maßnahmen in Teilen falsch dimensioniert, an der täglichen Realität vorbeigeplant und werden zudem als Priorität zur falschen Zeit gesehen. Kritikpunkt bleibt auch, dass an anderer Stelle, etwa beim Boy Peter Eben Weg, seit Jahren das dringendste Projekt in Tinnum auf vollständige Umsetzung wartet.
Auch beim Straßenausbau fehlt bislang ein verbindlicher Zeitrahmen. Ebenso offen ist, ob und wie der Umbau tatsächlich sinnvoll mit dem Lidl Neubau verzahnt werden kann. Gerade diese Unklarheiten sorgen weiterhin für Unruhe und politische Reibung.
Der Kiarwai könnte langfristig zu einem modernen Versorgungsstandort entwickelt werden, mit einem Vorzeige Markt, zusätzlichem Wohnraum und einer Nachnutzung des bisherigen Gebäudes, die Tinnum spürbar stärken würde.