Sylt. Nebel kann auf einer Nordseeinsel schnell zum Problem werden – besonders dann, wenn schnelle medizinische Hilfe aus der Luft benötigt wird. Ein satellitengestütztes Navigationsverfahren könnte künftig dazu beitragen, dass Rettungshubschrauber auch bei eingeschränkten Sichtbedingungen Einsätze fliegen können. Das Verfahren trägt den Namen „Point in Space“, kurz PinS.

Nach Angaben der DRF Luftrettung dürfen Hubschrauber im unteren Luftraum in Deutschland in der Regel nur nach Sichtflugregeln fliegen. Dafür gelten Mindestwerte bei Sichtweite und Wolkenuntergrenze. Werden diese bei Nebel oder schlechtem Wetter unterschritten, kann ein Einsatz unter diesen Bedingungen nicht wie ein normaler Sichtflug durchgeführt werden. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Gerade für eine Insel wie Sylt könnte deshalb ein Verfahren interessant sein, das einen Teil des Fluges unabhängig von der direkten Sicht ermöglicht. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Satellitennavigation führt bis in die Nähe des Landeplatzes

Foto: Markus Krüger / sportshots.mk
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Beim Point-in-Space-Verfahren werden speziell definierte An- und Abflugwege mit satellitengestützter Navigation genutzt. Vereinfacht gesagt fliegt der Hubschrauber einen wesentlichen Teil der Strecke nach Instrumenten und wird dabei über ein globales Satellitennavigationssystem – GNSS – geführt.

In der Nähe des vorgesehenen Landeplatzes befindet sich ein zuvor definierter virtueller Punkt in der Luft: der namensgebende „Point in Space“. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Der Hubschrauber kann diesen Punkt auf einer festgelegten und auf Hindernisse geprüften Route im Instrumentenflug erreichen. Dort erfolgt – sofern die Sichtverhältnisse ausreichen – der Übergang zum Sichtflug. Die eigentliche Landung wird anschließend nach Sicht durchgeführt.

Auch beim Abflug funktioniert das Prinzip in umgekehrter Richtung: Zunächst startet der Hubschrauber im Sichtflug und erreicht über ein definiertes Abflugsegment den Bereich, von dem aus der Flug nach Instrumenten fortgesetzt werden kann.

Auch PinS hat Grenzen

Das bedeutet allerdings nicht, dass Rettungshubschrauber mit PinS bei jedem noch so dichten Nebel landen können. Für die letzte Phase bis zum tatsächlichen Landeplatz muss ausreichende Sicht vorhanden sein.

Kann der Pilot am definierten Übergangspunkt keinen sicheren Sichtkontakt für den weiteren Anflug herstellen, muss nach Darstellung der DRF Luftrettung ein alternativer Landeplatz angesteuert oder der Anflug abgebrochen werden.

Der entscheidende Vorteil liegt vielmehr darin, dass nicht während des gesamten Fluges die Sichtbedingungen eines klassischen Sichtfluges gegeben sein müssen. Dadurch können sich zusätzliche Einsatzmöglichkeiten bei Wetterlagen ergeben, bei denen ein herkömmlicher Sichtflug nicht möglich wäre.

Warum das für Sylt interessant sein könnte

Foto: Markus Krüger / sportshots.mk

Für Sylt wäre eine solche Möglichkeit besonders interessant, weil die Insel bei bestimmten Wetterlagen immer wieder von Nebel und tiefen Wolken betroffen sein kann. Gerade bei zeitkritischen medizinischen Notfällen spielt die schnelle Verbindung zum Festland beziehungsweise zu weiterführenden Kliniken eine wichtige Rolle.

Ob und an welchen Standorten ein PinS-Verfahren für die Luftrettung auf Sylt tatsächlich eingerichtet werden könnte, geht aus den vorliegenden Informationen allerdings noch nicht hervor. Dafür müssten unter anderem geeignete und sichere An- und Abflugverfahren für konkrete Standorte festgelegt werden.

Die Technik zeigt aber, wie sich die wetterbedingten Grenzen der Luftrettung künftig verschieben könnten: Der Hubschrauber fliegt einen großen Teil der Strecke satellitengestützt nach Instrumenten – und wechselt erst in unmittelbarer Nähe des Zielortes zum Sichtflug.