Sylt. Fast 7,82 Millionen Euro zusätzlich für die fünf Sylter Gemeinden. In Zeiten angespannter kommunaler Haushalte klingt das beinahe wie ein kleiner Geldsegen aus Kiel. Doch mit der erfreulichen Nachricht beginnt die eigentliche Arbeit erst: Was machen List, Kampen, Wenningstedt-Braderup, Hörnum und die Gemeinde Sylt mit dem Geld?

Aus dem Infrastrukturprogramm des Landes stehen den fünf Inselgemeinden zusammen 7.816.314,28 Euro zur Verfügung. Die Mittel stammen aus dem Länder und Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz, kurz LuKIFG. Schleswig-Holstein stehen insgesamt rund 2,144 Milliarden Euro für Investitionen in die kommunale Infrastruktur zur V

erfügung. Den einzelnen Kommunen werden dabei feste Budgets zugeordnet.  Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Für Sylt verteilen sich die Mittel wie folgt:

Gemeinden Verfügbares Budget
Gemeinde Sylt 5.996.914,80 Euro
List auf Sylt 656.320,47 Euro
Wenningstedt-Braderup 600.500,91 Euro
Hörnum 362.838,08 Euro
Kampen 199.740,02 Euro
Gesamt 7.816.314,28 Euro

Millionen kommen zur richtigen Zeit

Dass diese Mittel gerade jetzt zur Verfügung stehen, dürfte in den Gemeinden durchaus für Freude sorgen. Denn die finanziellen Spielräume der Sylter Kommunen sind enger geworden. Steigende Ausgaben für Infrastruktur, Kinderbetreuung, Pflichtaufgaben, Brandschutz und andere kommunale Aufgaben treffen auf Haushalte, in denen zunehmend genauer gerechnet werden muss.

Besonders interessant ist der Blick auf die Gemeinde Sylt. Der Doppelhaushalt 2026/2027 wurde Ende Juni zwar von der Gemeindevertretung beschlossen, ist aktuell jedoch noch nicht genehmigt und liegt beim Kreis Nordfriesland in Husum zur Freigabe. Gleichzeitig weist der Haushalt erhebliche Fehlbeträge aus. Rund zehn Millionen Euro sollen durch vorhandene Rücklagen ausgeglichen werden.

Vor diesem Hintergrund kommen knapp sechs Millionen Euro für die Gemeinde Sylt wohl gerade zur richtigen Zeit.

Auch für die übrigen Inselgemeinden sind die zusätzlichen Mittel angesichts begrenzter finanzieller Spielräume eine ausgesprochen gute Nachricht. Sie können allerdings nicht einfach genutzt werden, um Löcher im laufenden Haushalt zu stopfen. Es handelt sich um zweckgebundene Investitionsmittel.

Förderfähig sind unter anderem Maßnahmen in den Bereichen Verkehr, Bildung, Betreuung, Energie und Wärme, Bevölkerungsschutz, Digitalisierung sowie weitere kommunale Infrastruktur. Die Förderrichtlinie ist dabei ausdrücklich nicht abschließend. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Also: Was machen wir mit dem Geld?

Knapp sechs Millionen Euro für die Gemeinde Sylt sind eine Größenordnung, mit der sich etwas bewegen lässt. Und an möglichen Projekten mangelt es auf der Insel wahrlich nicht.

Gerade in der Gemeinde Sylt stehen einige größere Vorhaben im Raum. Dazu gehört der seit Langem erwartete Hort an der St. Nicolai-Schule ebenso wie der Umbau der alten Realschule. Auch der Umbau an der Nordkamp Schule für eine künftige Nutzung als Kita gehört zu den Projekten, bei denen erhebliche Investitionen erforderlich werden.

Hinzu kommt die Diskussion über eine neue Vierfeld-Sporthalle. Auch ein solches Projekt würde eine Investition in die kommunale Bildungs- und Sportinfrastruktur darstellen. Ob und in welchem Umfang die neuen Fördermittel hierfür eingesetzt werden können, müsste nun geprüft werden.

Beim Schulzentrum Sylt besteht ebenfalls erheblicher Investitionsbedarf. Für den Schulverband Sylt stehen die Ergänzung und Sanierung des Schulzentrums sowie dessen energetische Sanierung im Fokus, verbunden mit einer neuen Ausrichtung im pädagogischen Bereich. Auch hier stellt sich die Frage, welche Teile eines solchen Gesamtprojektes die Voraussetzungen des Förderprogramms erfüllen könnten.

Und der Blick darf keineswegs bei der Gemeinde Sylt enden.

In Wenningstedt-Braderup ist beispielsweise die weitere Entwicklung im Bereich der Grundschule ein Thema. Investitionen rund um die Schule und gegebenenfalls eine Verbindung mit einem Kulturzentrum könnten hier eine Rolle spielen.

In Hörnum wiederum stellt sich die Frage, ob geeignete Infrastrukturmaßnahmen im Zusammenhang mit der weiteren Hafenentwicklung über das Programm unterstützt werden könnten?

Und was ist mit List und Kampen? Welche Projekte liegen dort bereits in den Schubladen? Welche Investitionen mussten bislang aus finanziellen Gründen verschoben werden? Und welche Vorhaben könnten mit 656.320 Euro in List beziehungsweise knapp 200.000 Euro in Kampen nun möglicherweise schneller umgesetzt werden?

Damit wird aus dem Millionensegen ziemlich schnell ein konkreter Arbeitsauftrag. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Finanzverwaltung und Politik müssen jetzt ran

Der Ball liegt nun bei Finanzverwaltung, Kämmerei und Kommunalpolitik. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Welche bereits geplanten Investitionen erfüllen die Förderbedingungen? Wo lassen sich kommunale Eigenmittel entlasten? Welche Projekte könnten vorgezogen werden? Welche ohnehin notwendigen Investitionen können zumindest teilweise aus den zusätzlichen Mitteln finanziert werden?

Gerade bei der Gemeinde Sylt mit einem Budget von fast sechs Millionen Euro dürfte sich ein genauer Blick lohnen. Wenn gleichzeitig erhebliche Fehlbeträge im Haushalt stehen und Millionen für Investitionen bereitgestellt werden, sollte möglichst schnell geklärt werden, welche ohnehin anstehenden Maßnahmen mit diesen Geldern finanziert werden können.

Denn jeder Euro, der bei einer notwendigen Investition aus diesem Programm kommt, muss an anderer Stelle nicht aus dem ohnehin angespannten kommunalen Haushalt finanziert werden.

Nicht einfach irgendwo verbauen

Bei aller Freude über die Millionen sollte allerdings nicht der Reflex einsetzen, möglichst schnell irgendeine Verwendung für das Geld zu finden.

Die Förderrichtlinie verlangt Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit. Förderfähig sind grundsätzlich Investitionsmaßnahmen mit einem Investitionsvolumen von mindestens 50.000 Euro.

Das eröffnet zugleich eine große Chance: Die zusätzlichen Millionen könnten gezielt für Investitionen eingesetzt werden, die die kommunalen Haushalte langfristig tatsächlich entlasten.

Eine energetische Sanierung kann dauerhaft Betriebskosten reduzieren. Investitionen in kommunale Gebäude können Sanierungsstaus abbauen. Moderne Infrastruktur kann spätere Folgekosten vermeiden. Und Projekte, die ohnehin finanziert werden müssten, könnten durch die Förderung weniger stark auf die eigenen Haushalte durchschlagen.

Deshalb sollte jetzt nicht nur gefragt werden: Wo können wir das Geld ausgeben?

Die interessantere Frage lautet: Wo bringt jeder dieser zusätzlichen Euro Sylt langfristig am meisten? Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Knapp acht Millionen Euro sind eine Chance

Bei allen Diskussionen über Haushaltsdefizite, steigende Kosten und begrenzte finanzielle Spielräume ist die Nachricht zunächst einmal ausgesprochen positiv: Fast 7,82 Millionen Euro stehen für Investitionen auf Sylt zur Verfügung.

Nun wird sich zeigen, wie schnell die Finanzverwaltung mögliche Projekte identifizieren und welche Prioritäten die Politik in den fünf Gemeinden setzt.

Welche Projekte sollen mit den jeweiligen Budgets finanziert werden? Welche Maßnahmen können dadurch früher umgesetzt werden? Und welche Belastungen der kommunalen Haushalte lassen sich durch die Fördermittel möglicherweise vermeiden?

Fast acht Millionen Euro lösen die finanziellen Herausforderungen der Sylter Kommunen nicht. Aber sie sind in der derzeitigen Situation ein erheblicher zusätzlicher Spielraum und können an den richtigen Stellen durchaus einen Unterschied machen.

Denn eines wäre angesichts der Haushaltslage wohl nur schwer vermittelbar: Wenn Millionen für Sylt bereitstehen, sollten am Ende auch möglichst viele davon sinnvoll und nachhaltig auf Sylt investiert werden.