Tinnum. Mit dem symbolischen ersten Spatenstich ist am Mittwoch, 23. September 2026, der Startschuss für eines der größeren Bauprojekte in Tinnum gefallen. Am Kiarwai 12–24 entwickelt Lidl seinen bisherigen Standort grundlegend weiter. Unter dem Namen „Nii Kiarwai“ sollen künftig Lebensmitteleinzelhandel, Dauerwohnen und weitere Angebote der Nahversorgung auf einem rund 16.000 Quadratmeter großen Grundstück zusammenkommen. Damit geht das Vorhaben deutlich über den Neubau eines klassischen Lebensmittelmarktes hinaus.
Herzstück ist ein Neubau unmittelbar neben der bestehenden Lidl-Filiale. Im Erdgeschoss entsteht der neue Lebensmittelmarkt, darüber sind 15 Wohnungen für das Dauerwohnen vorgesehen. Die Wohnungen sollen zwischen rund 44 und 78 Quadratmeter groß sein. Lidl nennt unter anderem Berufspendler, die auf der Insel arbeiten, als mögliche Zielgruppe.
Der alte Lidl bleibt und bekommt eine neue Aufgabe
Bemerkenswert ist auch der Umgang mit dem Bestand. Die bisherige Lidl-Filiale soll nach Fertigstellung des Neubaus nicht abgerissen werden, sondern erhalten bleiben und neue Nutzungen aufnehmen. Vorgesehen sind nach den derzeitigen Planungen eine Drogerie, eine Apotheke und regionale Anbieter.
Damit soll aus dem bisherigen Einzelstandort ein Versorgungszentrum werden, in dem Neubau und Bestand unter dem Namen „Nii Kiarwai“ zusammengeführt werden.
Gerade für Tinnum ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Denn dem jetzt begonnenen Bauprojekt ging ein intensiver Planungsprozess voraus, bei dem sich Lidl frühzeitig mit dem damaligen Ortsbeirat Tinnum über die Entwicklung des Standortes ausgetauscht hatte.
Der ehemalige Tinnumer Ortsbeiratsvorsitzende Raphael Ipsen und sein damaliger Stellvertreter und heutiger Ortsbeiratsvorsitzender Markus Gieppner erinnern an einen aus ihrer Sicht außergewöhnlich konstruktiven Dialog. Lidl habe den Anregungen des Ortsbeirates nicht nur zugehört, sondern Themen aus Tinnum aufgenommen und in die weitere Planung einbezogen.
„Wir haben in der Vergangenheit leider nicht bei jedem größeren Vorhaben erlebt, dass ein Investor so offen auf den Ort zugeht, zuhört und bereit ist, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die Zusammenarbeit mit Lidl war in dieser Hinsicht vorbildlich“, betonen Ipsen und Gieppner.
Dass aus diesen Gesprächen nun ein Projekt entsteht, das Nahversorgung, weitere Einzelhandelsangebote und dringend benötigten Dauerwohnraum miteinander verbindet, sei für Tinnum ein besonders positives Ergebnis.
„Dass hier ein insulares und in dieser Form besonderes Projekt entstehen konnte, das Lebensmitteleinzelhandel und dringend benötigten Wohnraum miteinander verbindet, sollte auch ein Beispiel für zukünftige Bauvorhaben auf Sylt sein.“
Ausdrücklich würdigen Ipsen und Gieppner dabei auch die Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen aus Politik und Verwaltung. Nach Angaben aus dem Projektumfeld konnten die erforderliche Änderung des Bebauungsplans und das anschließende Genehmigungsverfahren innerhalb von rund zwei Jahren umgesetzt werden. Diese außergewöhnlich kurze Verfahrensdauer wurde auch von Lidl im Rahmen des Spatenstichs besonders hervorgehoben.
1.600 Quadratmeter Verkaufsfläche
Der neue Lidl-Markt soll über rund 1.600 Quadratmeter Verkaufsfläche sowie weitere rund 850 Quadratmeter Nebenfläche verfügen. Insgesamt sind auf dem Gelände 184 Parkplätze vorgesehen. Drei Ladesäulen mit insgesamt sechs Ladepunkten sollen künftig das Laden von Elektroautos während des Einkaufs ermöglichen. Hinzu kommen überdachte Fahrradstellplätze.
Die angekündigten Öffnungszeiten liegen montags bis samstags zwischen 7 und 21 Uhr sowie sonntags zwischen 11 und 17 Uhr.
Holz-Hybrid-Bauweise und begrünte Flächen
Auch baulich soll sich der neue Standort von einem gewöhnlichen Supermarkt unterscheiden. Lidl setzt auf eine Holz-Hybrid-Bauweise, bei der Holz als primärer Baustoff verwendet wird. Teile von Fassade und Dach werden begrünt. Für das Gebäude strebt das Unternehmen eine Gold-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, kurz DGNB, an.
Bei der Gebäudetechnik soll die Abwärme aus der Produktkühlung zur Beheizung und Kühlung genutzt werden. Wärmepumpen arbeiten nach Angaben des Unternehmens ausschließlich mit natürlichen Kältemitteln. Auf dem Dach des Wohngebäudes ist zudem eine Photovoltaikanlage vorgesehen. Die Filiale selbst soll vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden.
Auch die Wiederverwertung von Materialien spielt eine Rolle. Im Außenbereich sollen Pflastersteine aus aufbereitetem Beton eingesetzt werden. Im Innenbereich plant Lidl unter anderem die Verwendung von Sekundärkunststoffen sowie wiederverwertetem Aluminium und Glas.
Wohnen dort schaffen, wo ohnehin gebaut wird
Der für Sylt vielleicht interessanteste Ansatz liegt jedoch in der Verbindung von Einzelhandel und Wohnen. Anstatt eine große Fläche ausschließlich für einen eingeschossigen Lebensmittelmarkt zu nutzen, entstehen die 15 Dauerwohnungen unmittelbar über der Filiale.
Jan Brenn, Chief Real Estate Officer von Lidl in Deutschland, bezeichnet das Projekt als einen „zentralen Meilenstein“ der Standortentwicklung. In Tinnum wolle das Unternehmen zeigen, wie unterschiedliche Anforderungen verdichtet umgesetzt und gleichzeitig architektonische Qualität und ein Mehrwert für das regionale Umfeld geschaffen werden können.
Genau darin könnte „Nii Kiarwai“ auch über Tinnum hinaus interessant werden. Auf einer Insel, auf der Flächen knapp und Wohnraum dringend gesucht sind, zeigt das Projekt einen Weg, bestehende Einzelhandelsstandorte weiterzuentwickeln und zusätzliche Nutzungen auf bereits beanspruchten Flächen unterzubringen.
Mit dem Spatenstich beginnt nun die praktische Umsetzung. Aus dem bisherigen Lidl-Standort soll in den kommenden Jahren ein neues kleines Versorgungszentrum werden: Lebensmittelmarkt, 15 Dauerwohnungen, Drogerie, Apotheke und regionale Angebote an einem Standort.
Einen konkreten Termin für die Fertigstellung beziehungsweise Eröffnung nennt Lidl nicht, aber Ziel wäre der Jahreswechsel 2027/2028