Westerland/Bargteheide. Ein Busunfall stellt Einsatzkräfte vor ganz andere Herausforderungen als ein verunglückter Pkw. Wie Menschen in einer solchen Situation möglichst sicher und schnell gerettet werden können, haben am Wochenende elf Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr Westerland sowie ein Kamerad der Feuerwehr Keitum beim Rescue Training Center Nord in Bargteheide trainiert. Im Mittelpunkt stand der Lehrgang „Technische Hilfe Bus – Patientenorientierte Unfallrettung Bus“.

Foto: Feuerwehr Westerland

Die Ausbildung hatte bereits am Montagabend auf Sylt begonnen. Michel Schermer vom Rescue Training Center Nord war dafür persönlich zur Feuerwehrwache nach Westerland gekommen und vermittelte in einer ersten Theorieeinheit wichtige Grundlagen zur technischen Hilfeleistung bei Busunfällen. Am Samstagmorgen machten sich die Sylter Einsatzkräfte schließlich mit dem Rüstwagen und zwei Bussen auf den Weg nach Bargteheide.

Ein Bus stellt Retter vor besondere Herausforderungen

Foto: Feuerwehr Westerland

Nach einer weiteren Theorieeinheit folgte am Sonntag die praktische Ausbildung an einem Linien- beziehungsweise Reisebus. Dabei wurde schnell deutlich, weshalb sich ein solcher Einsatz erheblich von der Rettung aus einem Pkw unterscheidet. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Ein Linienbus kann je nach Fahrzeug bis zu 140 Fahrgäste aufnehmen. Viele davon stehen während der Fahrt und verfügen nicht über feste Anschnallpunkte. Bei einem schweren Unfall können deshalb zahlreiche Menschen gleichzeitig betroffen sein. Hinzu kommen die Dimensionen des Fahrzeugs: Busse können mehr als drei Meter hoch sein und etwa 20 bis 30 Tonnen wiegen.

Auch im Inneren warten besondere Gefahren. Kabel, Leitungen, Schläuche und technische Komponenten erschweren die Rettungsarbeiten. Je nach Fahrzeug können außerdem bis zu ca. 1.000 Liter verschiedener Betriebsstoffe mitgeführt werden.

Retten durch Seiten, Dach und unter dem Fahrzeug

Foto: Feuerwehr Westerland

In Bargteheide konnten die Feuerwehrleute verschiedene Rettungstechniken praktisch ausprobieren. Mit Tigersäge, hydraulischer Schere und Spreizer, Rettungszylindern, Hebekissen, Leitern und einer Lkw-Rettungsplattform wurden unterschiedliche Zugänge zum Bus geschaffen.

Geübt wurde die Rettung über die Fahrzeugseiten und das Dach, aber auch unterhalb des Busses. Dafür entstanden unterschiedlich große Öffnungen, um je nach Unfalllage geeignete Rettungswege schaffen zu können. Auch die Befreiung eines eingeklemmten Busfahrers gehörte zum Ausbildungsprogramm.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Sicherung des schweren Fahrzeugs gegen unkontrollierte Bewegungen. Im Innenraum mussten zudem Sitze aus ihren Verankerungen gelöst und entfernt werden, um ausreichend Platz für die Rettung von Patienten zu schaffen.

Entscheidend war dabei nicht nur der Umgang mit den Geräten. Die Einsatzkräfte mussten lernen, wie sich der Bus bei unterschiedlichen Schnitten, Öffnungen und Rettungsmaßnahmen verhält und welche Auswirkungen ein Eingriff auf die Stabilität des gesamten Fahrzeugs haben kann.

Mit neuen Erfahrungen zurück nach Sylt

Foto: Feuerwehr Westerland

Die praktischen Übungen waren körperlich anspruchsvoll. Begleitet wurden die Sylter Feuerwehrleute während der Ausbildung von den Trainern des Rescue Training Center Nord, die ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen aus der technischen Rettung weitergaben. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Ziel des Wochenendes war es, die Einsatzkräfte auf einen möglichen Busunfall vorzubereiten. Denn im Ernstfall müssen innerhalb kurzer Zeit Entscheidungen getroffen, ein schweres Fahrzeug gesichert, Rettungswege geschaffen und möglicherweise zahlreiche Verletzte versorgt werden.

Nach einem intensiven Ausbildungswochenende ging es schließlich mit vielen neuen praktischen Erfahrungen zurück auf die Insel. Damit sollen die Einsatzkräfte im Ernstfall noch sicherer, schneller und gezielter helfen können. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Foto: Feuerwehr Westerland