Westerland. An diesem Schultag wird das Klassenzimmer gegen den Strand getauscht: 20 Schülerinnen und Schüler der Norddörferschule in Wenningstedt machten sich am Strandübergang beim Sylt-Stadion selbst an die Arbeit für den Küstenschutz. Die Kinder der Klasse 4a setzten dort gemeinsam mit Fachleuten Sandfangzäune vor den Dünen.

Dabei war durchaus Ehrgeiz gefragt: Bereits am Vortag hatte die Parallelklasse 74 Meter Sandfangzaun gesetzt. Nun wollte die 4a zeigen, was sie schaffen kann.

Hinter dem praxisnahen Projekt stehen vier Partner: der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN), die Stiftung Küstenschutz Sylt, die Norddörferschule sowie die Sylter Verkehrsbetriebe. Ziel ist es, den Kindern nicht nur theoretisch zu erklären, warum Küstenschutz für Sylt wichtig ist, sondern sie selbst daran mitwirken zu lassen.

Lernen durch Erleben

Für Schulleiterin Bianca Rehage passt das Projekt zum pädagogischen Ansatz der Schule. „Unsere Schule bevorzugt nach Möglichkeit praxisnahen Unterricht“, erklärt sie. Die Verbindung von praktischer Erfahrung und theoretischem Unterricht wirke sich nachhaltig auf den Lernerfolg aus.

Die Schule bezeichnet diesen Ansatz als „Lernen durch Erleben“ und arbeitet dafür bereits mit verschiedenen Einrichtungen auf der Insel zusammen, darunter die Naturschutzgemeinschaft Sylt und das Erlebniszentrum Naturgewalten.

Am Strand wurden die Kinder von Carsten Lohs vom LKN und Johannes Oelerich, Vorsitzender der Stiftung Küstenschutz Sylt, empfangen. Mit dabei waren auch Schulleiterin Bianca Rehage und Erzieher Finn-Lasse Bunn.

Graben, aufrichten, Sand festklopfen

Dann wurde gearbeitet. Lohs hatte Bündel sogenannter Faschinen vom nahe gelegenen LKN-Lagerplatz mitgebracht. Die überwiegend aus Weiden bestehenden Äste und Zweige bilden später die Sandfangzäune. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Dafür zogen die Kinder zunächst etwa 30 Zentimeter tiefe Gräben. Die Faschinen wurden hineingelegt, aufgerichtet und anschließend mit Sand befestigt. Rund einen Meter ragen die Zweige danach aus dem Boden. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Ihre Aufgabe: Flugsand auffangen und damit zum Schutz der Vordünen beitragen. Die Zäune werden in Quer- und Diagonalreihen angeordnet und helfen so, die empfindlichen Dünen vor Abtrag bei Sturmfluten zu schützen.

„Das ist cool“

Dass Küstenschutz durchaus Spaß machen kann, zeigte sich schnell. Der zehnjährige Leo war begeistert: „Das ist cool.“ Er sei gerne draußen und wusste bereits, wie die Arbeiten ablaufen. „Ich habe den Arbeitern am Strand schon mal zugeguckt.“ Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Auch die neunjährige Ina fand die Aktion „richtig gut“. Besonders das Aufrichten der Faschinen machte ihr Spaß – ebenso wie die Aussicht auf das gemeinsame Frühstück nach getaner Arbeit. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Für Johannes Oelerich zeigt die Aktion, wie Umweltschutz unmittelbar vermittelt werden kann: „Es ist schön zu sehen, wie Kinder durch solche Aktionen den Wert und Schutz ihrer Umwelt erkennen.“

Die Stiftung Küstenschutz Sylt und die Sylter Verkehrsbetriebe sorgen zudem dafür, dass den Schulen durch solche Projekte keine Kosten entstehen.

Und während die Viertklässler noch fleißig am Strand gruben, entstanden bereits Ideen für den nächsten praktischen Unterricht: Künftig könnte den Kindern auch vermittelt werden, wie Sandvorspülungen funktionieren und welche Bedeutung sie für den Küstenschutz auf Sylt haben.