Sylt. Zu viel Stillstand, zu wenig Entscheidungen, zu viele offene Baustellen. In der aktuellen Ausgabe des „Sylter Journals“ bei Radio Sylt vom blauen Autozug ging es ordentlich zur Sache.
Zu Gast bei Conny Reckert und Frank Bremser waren SPD-Fraktionschef Peter Marnitz, Markus Gieppner von den Insulanern und Unternehmer Ole König. Im Mittelpunkt standen die wirtschaftliche Lage auf Sylt, Wohnraum, Baurecht, Ferienwohnungen und die Frage: Wie kommt die Insel wieder ins Machen?
„Wir müssen mehr ins Machen kommen“
Ole König machte gleich zu Beginn klar, wo er das Problem sieht. Unternehmen und Investoren fehlten verlässliche Rahmenbedingungen. Vor allem beim Baurecht, bei Ferienwohnungen und bei der Nutzung bestehender Immobilien herrsche zu viel Unsicherheit. Sein Appell: „Wir müssen mehr ins Machen kommen und aufhören zu schnacken.“ Markus Gieppner sieht ebenfalls Handlungsdruck. Besonders der Rückgang der Gewerbesteuer bereitet ihm Sorgen. Nach seinen Angaben sind die Einnahmen um rund 30 Prozent gesunken. Gleichzeitig seien die Gästezahlen nicht im gleichen Maß eingebrochen. Für ihn stellt sich deshalb die Frage: Wo bleibt die Wertschöpfung auf der Insel? Auch Peter Marnitz räumte ein, dass die wirtschaftliche Entwicklung inzwischen direkt im Gemeindehaushalt ankommt. Sinkende Einnahmen bedeuten weniger Geld für Investitionen, Wohnungsbau und Infrastruktur.
Wohnungsbau: Gute Idee, hohe Kosten
Besonders intensiv diskutierte die Runde über bezahlbaren Wohnraum. Marnitz berichtete von rund 450 Interessenten auf der Warteliste des Kommunalen Liegenschafts-Managements KLM. Ziel sei es, deutlich mehr Wohnungen für Insulaner zu schaffen. König warnte allerdings vor einer simplen Rechnung. Neubauten seien inzwischen so teuer, dass frei finanzierte Wohnungen schnell mehr als 20 Euro pro Quadratmeter kosten müssten. Seine Forderung: Wer Dauerwohnraum verlangt, müsse auch sagen, wie dieser am Ende bezahlbar bleibt.
Ferienwohnungen werden zum Zankapfel
Noch schärfer wurde die Diskussion beim Thema Ferienwohnungen. König warnte davor, dass Sylt durch neue baurechtliche Regeln einen erheblichen Teil seiner touristischen Betten verlieren könne. Das hätte Folgen für Vermieter, Gastronomie, Handel und am Ende auch für die Gemeindekasse. Marnitz hielt dagegen: Sicherheitsvorschriften und Baurecht dürften nicht ignoriert werden. Rettungswege, Deckenhöhen und Genehmigungen müssten stimmen. Einigkeit gab es aber in einem Punkt: Sylt braucht schnell mehr Rechtssicherheit.
Westerland braucht neuen Schwung
Auch die Westerländer Innenstadt kam auf den Tisch. König verwies auf Keitum. Dort hätten Investitionen in Hotels, Gastronomie und Einzelhandel weitere Investitionen ausgelöst. Für Westerland fordert er bessere öffentliche Räume, mehr Veranstaltungen, eine modernere Promenade und ein professionelles Innenstadtmanagement. Marnitz verwies zugleich auf die begrenzten finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde. Der Investitionsstau auf der Insel liege bei weit über 100 Millionen Euro.
Mehr reden, weniger übereinander reden
Am Ende wurde die Runde konkreter. Ole König schlug einen regelmäßigen Austausch zwischen den Wirtschaftsverbänden und den Fraktionsvorsitzenden vor. Gemeinsam solle ein echtes Maßnahmenpaket für die Sylter Wirtschaft entwickelt werden. Peter Marnitz griff den Vorschlag auf. Sein Ziel: „Mehr Kooperation statt Konfrontation.“ Der Unternehmerverband plant zudem ein großes Gutachten zur wirtschaftlichen Zukunft der Insel. Dabei soll unter anderem untersucht werden, was passiert, wenn Sylt zehn, 20 oder sogar 30 Prozent seiner touristischen Betten verliert. Kostenpunkt: mehr als 100.000 Euro. Die Gemeinde soll sich nach Wunsch des Verbandes beteiligen. Am Ende blieb vor allem eine Erkenntnis: Die Probleme auf Sylt sind bekannt. Jetzt geht es darum, Entscheidungen schneller auf die Straße zu bringen. Und genau darin waren sich Politik und Wirtschaft an diesem Abend erstaunlich einig.