Westerland/Sylt. Wie soll sich der Tourismus auf Sylt in den kommenden Jahren entwickeln – und wie lässt er sich mit den Bedürfnissen der Menschen vereinbaren, die auf der Insel leben und arbeiten? Rund 250 Sylterinnen und Sylter sowie weitere mit der Insel verbundene Menschen kamen am Mittwoch, 26. August 2026, im Alten Kursaal in Westerland zusammen. Dort wurden die Ergebnisse des viermonatigen Beteiligungsprozesses für die neue Tourismusstrategie vorgestellt.
Seit Ende April wurde auf der gesamten Insel diskutiert, gesammelt und nach gemeinsamen Positionen gesucht. Insgesamt fanden 35 Beteiligungsformate statt – darunter elf Ortsgruppen, acht Fokusgruppen sowie eine Zufallsbürgergruppe.
Das Ergebnis zeigt: Trotz unterschiedlicher Interessen und Bedürfnisse liegen die Positionen bei vielen zentralen Themen offenbar näher beieinander als zunächst vermutet.
Tourismus lässt sich nicht getrennt vom Inselleben betrachten
Eine der wesentlichen Erkenntnisse des Beteiligungsprozesses ist, dass Tourismus auf Sylt nicht isoliert betrachtet werden kann. Wohnraum, Mobilität, Infrastruktur, Natur sowie die Aufenthalts- und Lebensqualität spielen für die zukünftige Entwicklung der Insel eine ebenso wichtige Rolle.
Dabei soll es künftig weniger um die pauschale Frage gehen, ob Sylt „mehr“ oder „weniger“ Tourismus braucht. Stattdessen rücken Qualität und Tragfähigkeit in den Mittelpunkt: Wo führt der Tourismus zu konkreten Belastungen? Wo bietet er Chancen? Und wie lassen sich die Interessen von Einheimischen, Beschäftigten, Unternehmen und Gästen miteinander vereinbaren?
Eine Aussage aus der Ortsgruppe Rantum entwickelte sich dabei beinahe zum Leitgedanken des bisherigen Prozesses: „Das größte Potenzial Sylts sind die Menschen.“
250 Interessierte im Alten Kursaal
Zum Auftakt der Abschlussveranstaltung machte Dr. Catrin Homp, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Schleswig-Holstein, deutlich, welchen Stellenwert der Tourismus für Sylt besitzt. Kaum ein anderer Wirtschaftszweig präge die Insel derart stark und wirke gleichzeitig so weit in das alltägliche Leben hinein.
Durch den Abend führten Moritz Luft, Geschäftsführer der Sylt Marketing GmbH (SMG), sowie Claudine Nierth und Katharina Fender vom nexus Institut. Das Institut hatte den Beteiligungsprozess methodisch begleitet, während die SMG den Gesamtprozess federführend koordiniert und finanziert.
Gemeinsam mit Kai Müller, Bürgermeister von Wenningstedt-Braderup, und dem Kampener Hotelier Dirk Erdmann wurde anschließend darüber gesprochen, wie aus den zahlreichen Anregungen nun konkrete Ziele entstehen können.
Auch Mitglieder der Zufallsbürgergruppe kamen zu Wort. Ihr Wunsch: Der Austausch zwischen Verantwortlichen und Bevölkerung sollte mit dem Ende des Beteiligungsprozesses nicht aufhören, sondern auch künftig regelmäßig zu konkreten Themen stattfinden.
Jetzt beginnt die eigentliche Strategiearbeit
Mit der Abschlussveranstaltung ist die neue Sylter Tourismusstrategie allerdings noch nicht fertig. Vielmehr beginnt nun die nächste Phase.
Die Ergebnisse aus den vergangenen vier Monaten sollen zunächst mit Kennzahlen und zusätzlicher fachlicher Expertise zusammengeführt werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei ein 26-köpfiger Lenkungskreis, in dem unterschiedliche Bereiche und Interessen vertreten sind.
Ende September sollen Beteiligungsergebnisse und Kennzahlenanalyse zusammengeführt und daraus zentrale Handlungsfelder entwickelt werden. Im Oktober kommen externe Fachleute hinzu. Im November soll der Lenkungskreis schließlich Ziele und Prioritäten festlegen.
Anschließend ist die SMG am Zug: Bis Ende 2026 soll ein Entwurf der neuen Tourismusstrategie entstehen.
Entscheidung fällt 2027 in den Gemeinden
Anfang Januar 2027 soll die Tourismusstrategie fertiggestellt sein. Damit ist sie allerdings noch nicht beschlossen. Im Frühjahr soll das Konzept den politischen Gremien der fünf Inselgemeinden zur Beratung und Beschlussfassung vorgelegt werden.
Für Kai Müller ist dabei entscheidend, dass der Austausch auch anschließend weitergeführt wird. Eine langfristige Strategie könne nur funktionieren, wenn sie von möglichst vielen Menschen auf der Insel getragen und anschließend auch mit Leben gefüllt werde.
Damit geht ein viermonatiger Beteiligungsprozess zu Ende – und die eigentliche Arbeit beginnt erst. Aus zahlreichen Ideen, Wünschen und teilweise unterschiedlichen Interessen muss nun ein gemeinsamer Kurs entstehen. Wie Sylt Tourismus, Lebensqualität, Natur, Wirtschaft und die Bedürfnisse seiner Bewohner künftig miteinander verbinden will, dürfte damit auch in den kommenden Monaten eines der zentralen Inselthemen bleiben.