Sylt. Ein ungewöhnlicher Meeresbewohner ist an den Sylter Stränden aufgetaucht: Am Sonntag und Montag, 23. und 24. August 2026, wurden auf Sylt mehrere Segelquallen angespült. Nach Angaben der Schutzstation Wattenmeer handelt es sich um den ersten Nachweis der subtropischen Art in Deutschland. Für Strandbesucher besteht allerdings kein Grund zur Sorge: Die fremdartig aussehenden Tiere sind harmlos.
Die Segelqualle ist normalerweise in wärmeren Meeresregionen zu Hause. Bereits Mitte Juli hatte ein Schwarm aus dem Atlantik die schottische Küste erreicht. Anfang August folgten erste Funde an der Westküste Dänemarks. Nun haben einzelne Exemplare auch Sylt und damit erstmals die deutsche Küste erreicht.
Klimawandel bringt neue Arten in die Nordsee
Für den Meeresbiologen Rainer Borcherding von der Schutzstation Wattenmeer ist das Auftauchen der Segelqualle ein weiteres sichtbares Zeichen für die Erwärmung der Meere.
„Es ist unübersehbar, dass sich nicht nur das Land, sondern auch die Meere aufheizen“, erklärt Borcherding. Die Segelqualle bezeichnet er dabei als harmlosen „Boten aus dem Süden“.
Andere wärmeliebende Quallenarten könnten für Menschen hingegen unangenehmer werden. Borcherding verweist unter anderem auf die Portugiesische Galeere und die Mittelmeer-Leuchtqualle, deren Kontakt sehr schmerzhafte Hautreaktionen verursachen kann. Bei den jetzt auf Sylt gefundenen Segelquallen besteht diese Gefahr nicht.
Wie ein kleines Segelboot auf dem Meer
Ihren Namen verdankt die Segelqualle ihrem außergewöhnlichen Aussehen. Der dunkelblaue Weichkörper mit seinen Fangtentakeln umschließt eine ovale Chitinscheibe. Auf der Oberseite befindet sich ein schräg stehendes, dreieckiges Segel. Damit lässt sich das Tier vom Wind über die Meeresoberfläche treiben.
Interessant ist dabei, dass es zwei spiegelbildliche Varianten gibt. Je nach Ausrichtung verläuft das Segel in die eine oder andere Richtung. Wind und Strömung können die Tiere dadurch sortieren, sodass innerhalb eines Schwarms häufig dieselbe Variante vorkommt. Die derzeit über Schottland und Dänemark bis nach Sylt gelangten Tiere weisen nach Angaben der Schutzstation die sogenannte Ø-Stellung auf.
Segelquallen ernähren sich unter anderem von kleinen Planktonkrebsen und Fischlarven. Weltweit können sie teilweise in großen Mengen auftreten, dennoch sind viele Details ihrer Lebensweise bislang wenig erforscht.
Wärmeliebende Meeresbewohner wandern nach Norden
Dass Arten aus südlicheren Regionen zunehmend in der Nordsee auftauchen, beobachten Meeresbiologen bereits seit Beginn des Jahrtausends. Mit steigenden Wassertemperaturen können Fische, Krebse, Muscheln und andere Tiere, deren Verbreitungsgebiet früher westlich des Ärmelkanals endete, weiter nach Norden vordringen.
Davon zu unterscheiden sind sogenannte Neobiota, die durch menschlichen Einfluss aus weit entfernten Regionen eingeschleppt werden. Solche Arten können heimischen Tieren und Pflanzen durch Konkurrenz oder eingeschleppte Krankheitserreger erhebliche Probleme bereiten.
Die jetzt auf Sylt aufgetauchte Segelqualle ist dagegen zunächst vor allem eines: ein außergewöhnlicher und für Deutschland neuer Strandfund.
Wer selbst eine Segelqualle am Sylter Strand entdeckt, kann seinen Fund beim BeachExplorer melden. Fotos und genaue Angaben zum Fundort helfen dabei, die weitere Ausbreitung der Tiere zu dokumentieren.