Tinnum/Sylt. Ein fast vergessener Sylter, der die Entwicklung der Insel über Jahrzehnte mitprägte, erhält einen festen Platz in der Erinnerung: Am Montag, 28. September 2026, um 18 Uhr wird der bisher als „Flaggenplatz“ bekannte Platz in Tinnum offiziell in „Schwen-Hans-Sörensen-Platz“ benannt. Die Initiative geht auf 80 Nachkommen von Schwen Hans Sörensen zurück, die bei einem Familientreffen im Jahr 2019 zusammenkamen.

Doch wer war der Mann, dessen Namen der Tinnumer Platz künftig tragen wird? Schwen Hans Sörensen (1856–1938) gehörte zu jenen Syltern, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert mit Unternehmergeist, Tatkraft und großem kommunalpolitischem Engagement die Entwicklung der Insel mitgestalteten.

Von Keitum über Kap Hoorn zurück nach Sylt

Geboren wurde Sörensen 1856 in Keitum. In Brunsbüttel erlernte er den Beruf des Schiffszimmermanns und fuhr anschließend mehrere Jahre zur See. Seine Reisen führten ihn unter anderem um Kap Hoorn und nach New York. In seinen Erinnerungen hielt er seine Eindrücke von der damals noch völlig anders aussehenden amerikanischen Metropole fest. Ein besonderes Erlebnis war für ihn die Feier zum 100. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit am 4. Juli 1876.

Nach seinen Jahren auf See kehrte Sörensen nach Sylt zurück, gründete eine Familie und baute sich in Tinnum eine neue Existenz auf. Neben der Landwirtschaft eröffnete er eine Kolonialwarenhandlung, die später von seiner Tochter und seinem Enkel weitergeführt wurde.

Kohle aus England für die Insel

Zu seinen bedeutenden unternehmerischen Aktivitäten gehörte die Gründung der „Sylter Kohlenhandelsgesellschaft“. Gemeinsam mit seinem Sohn Volquard sowie Magnus Volquartz und Paul Wünschmann importierte Sörensen mit eigenen Schiffen Kohle aus England nach Sylt.

Die Schiffe liefen den Munkmarscher Hafen an. Dort wurde die Kohle zunächst in einem Schuppen gelagert und anschließend in die verschiedenen Inselorte transportiert. Das Geschäft auf der Nordsee war jedoch mit erheblichen Risiken verbunden: Zwei Schiffe des Unternehmens gingen auf der stürmischen Nordsee verloren.

Rund 40 Jahre für Tinnum engagiert

Sörensen beschränkte sein Wirken nicht auf seine unternehmerischen Tätigkeiten. Rund 40 Jahre gehörte er der Tinnumer Gemeindevertretung an. Von 1900 bis 1925 vertrat er Sylt als Kreistagsabgeordneter und engagierte sich insbesondere für den Ausbau der Wege auf der Insel.

Darüber hinaus arbeitete er im Tinnumer Schulvorstand, gehörte dem Kirchenvorstand von St. Severin an und vertrat im Vorstand der Flensburger Handelskammer die Interessen des Sylter Einzelhandels.

Damit engagierte sich Sörensen über Jahrzehnte in ganz unterschiedlichen Bereichen des öffentlichen Lebens – von der kommunalen Entwicklung über Schule und Kirche bis zur Wirtschaft.

Eine große Sylter Familie

Foto: Elisabeth Westmore

Auch privat war sein Leben von einschneidenden Ereignissen geprägt. Seine Ehefrau Anne Sörensen (1857–1899) starb überraschend im Alter von nur 41 Jahren. Sörensen stand daraufhin mit acht Kindern im Alter zwischen drei und 17 Jahren allein da.

In dritter Ehe heiratete er Beate Köster (1862–1940). Deren Vater und Großvater hatten die damals weit über Sylt hinaus bekannte Navigationsschule in Tinnum betrieben. Im Alter konnte Schwen Hans Sörensen schließlich auf eine große Familie mit 38 Enkelkindern blicken.

Dass sein Name nun wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein rückt, ist seinen Nachkommen zu verdanken. 80 Familienmitglieder gaben bei ihrem Treffen 2019 den Anstoß für die Benennung des Platzes.

Mit dem Schwen-Hans-Sörensen-Platz erinnert Tinnum künftig an einen Mann, dessen Lebensgeschichte eng mit der Entwicklung Sylts verbunden war – als Seefahrer, Kaufmann, Unternehmer und Kommunalpolitiker.

Die offizielle Benennung findet am 28. September 2026 um 18 Uhr am bisherigen Flaggenplatz in Tinnum statt.

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