Kampen. Möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben: Wie eine organisierte Nachbarschaftshilfe dazu beitragen kann, zeigte eine gut besuchte Veranstaltung im Kaamp Hüs. Unter dem Titel „Das Altersheim kann warten“ hatten der Seniorenbeirat der Gemeinde Sylt und die Seniorenvertretung Wenningstedt-Braderup am 6. August 2026 eingeladen. Rund 140 Besucher informierten sich über Möglichkeiten, ein inselweites Hilfesystem aufzubauen.

Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Gemeinde Kampen. Bürgermeisterin Steffi Böhm unterstrich bei der Begrüßung die Bedeutung eines solchen Angebots für Sylt und sicherte die weitere Unterstützung ihrer Gemeinde zu. Auch Wenningstedt-Braderups Bürgermeister Kai Müller und Markus Gieppner, stellvertretender Bürgervorsteher der Gemeinde Sylt, signalisierten ihre Bereitschaft, das Vorhaben positiv zu begleiten.

Wichtige Impulse lieferte Sebastian Straubel, Landrat des Landkreises Coburg. Dort besteht seit mehr als 20 Jahren ein beispielhaftes Projekt zur Unterstützung älterer Menschen im Alltag. Was mit einem einzigen Helfer begann, ist inzwischen zu einem Netzwerk mit 130 Engagierten und mehr als 800 betreuten Menschen gewachsen. Ein Schwerpunkt liegt auf der regelmäßigen Sturzprävention, die von mehr als der Hälfte der Teilnehmer mindestens einmal wöchentlich genutzt wird. Das Angebot trägt dazu bei, dass ältere Menschen möglichst lange sicher und selbstständig zu Hause leben können.

Erste Ansätze einer solchen Unterstützung gibt es bereits auf Sylt. Sarah Sachs, Diakonin der Norddörfer Kirchengemeinde, berichtete von zwölf Syltern, die regelmäßig besucht und begleitet werden. Unterstützt wird sie dabei von zwei jungen Helfern, die in Wenningstedt ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren.

Moderatorin Imke Wein führte durch den Abend und stellte gemeinsam mit den Beteiligten die Notwendigkeit eines inselweiten Hilfesystems heraus. In einem Kurzinterview informierten Carmen Christiansen vom DRK Westerland und Peter Petzold vom Pflegedienst FITZ über die ambulante Pflegesituation auf Sylt. Eine spontane Abfrage im Saal zeigte, dass sich bereits viele Inselbewohner im privaten Umfeld engagieren: Rund 30 Besucher gaben an, Nachbarn oder Familienmitglieder regelmäßig zu unterstützen.

Auch in Morsum nimmt ein weiteres Hilfsangebot Gestalt an. Michael Boysen, Vorsitzender des Förderkreises der Morsumer Kirchengemeinde, berichtete von fünf Bewerbungen auf die geplante Stelle eines Kümmerers für den Ort.

Am Ende des Abends zeigte sich, dass die Bereitschaft zum Mitmachen groß ist. Insgesamt 45 Besucher aus allen Inselorten füllten den vorbereiteten Zettel mit der Überschrift „Ich will auch helfen!“ aus. Für Mitorganisator Bruno Schnabel vom Seniorenbeirat der Gemeinde Sylt ist damit ein wichtiger Anfang gemacht. Nun sollen die Interessierten zusammengebracht und die nächsten Schritte für den Aufbau einer verlässlichen Nachbarschaftshilfe auf Sylt vorbereitet werden.

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