Handauflegen in Angeln

Also, in meiner wilden Zeit bin ich ja echt viel rumgekommen. Alle Kur- und Theatersäle in Schleswig-Holstein habe ich abgekaspert und bei allen wichtigen Firmenevents, seien es Marmeladenkocher bei Lübeck, Sauerkrautheinis in Meldorf oder Glattrohrkanonen-Fabrikanten vor Hamburg: Wer Degen gebucht hat, hat Degen gekriegt - Brachialhumor mit Fremdschäm-Potential, aber auch hyperfeine Pointen, die nicht einmal ich selbst verstanden habe. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Manchmal war ich es aber auch, der oben auf der Bühne bespaßt wurde. Beispiel: Kursaal Wenningstedt. Ein Handy klingelt im Publikum ziemlich weit vorne. Ich unterbreche mein Pointengewitter und 100 Augen- und Ohrenpaare wenden sich gleich mir einem jungen Mann zu, der mit einem Gerät am Ohr in eine embryonale Haltung zusammenkrampft und sich unlocker in sein Telefonat einbringt: Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

„…hier ist Sascha … Hallo Mama, du, ich kann jetzt gerade nicht … Nein, ich bin nicht auf Arbeit, ich bin noch krankgeschrieben …Nein, Mama, es geht jetzt wirklich nicht, die gucken hier schon alle komisch - ich ruf‘ dich nachher mal an … Ich bin gerade im Theater … Nein, nicht im Schauspielhaus … ich hocke hier im Wenningstedter Pastorat … nein, nicht ‚Der zerbrochene Krug‘ von Kleist … Nein, das ist hier so‘n Komiker von Sylt … Ja, geht so …viel Text, ja, ich bin schon ganz wirr im Kopf … ja, Mama, ich muss jetzt echt aufhören, ich glaub‘, der will jetzt hier weitermachen…“

Ja - doch - war auch lustig - irgendwie… Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

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Einmal buchte mich der Landfrauenverein in Güllerup in Angeln. Die Chefin meinte gleich am Telefon: „Herr Degen, Sie brauchen kein Hotelzimmer buchen - wir machen hier Urlaub auf dem Bauernhof. Da rücken wir alle ein bisschen zusammen und dann kriegen Sie hier ein Tinyhouse.“ Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Das fand ich natürlich toll und als ich dann da war, habe ich mir von ihr den Bauernhof zeigen lassen. Super! Dreihundert Milchkühe und alles feinste Melktechnik. Die haben da sogar einen Roboter, der die Kühe bürstet. Zum Schluss des Rundganges meinte sie dann: „So, ich muss mich jetzt um den Besamungstechniker kümmern und Sie sind heute Abend dran.“

Ich erstmal in Schockstarre, aber das war nur ein brachialer Landfrauenwitz. So sind die da. Dann erzählte sie mir noch ein wenig von dem kulturellen Leben im Dorf. Sie hätten vor einigen Wochen sogar eine Heilerin zum Vortrag gehabt. Ich meinte daraufhin: „Äh, Heiler … das sind doch diese Scharlatane und Quacksalber, die mit Homöopathie, Eigenurin-Mittelstrahltherapie und Schüssler-Salze die Landbevölkerung ausplündern?“ Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Sie lachte und meinte, das möge anderswo vielleicht zutreffen, aber ihre Heilerin hätte ein Wochenendseminar durchgeführt mit dem Arbeitstitel: „Penisvergrößerungen durch Handauflegen in Vollmondnächten“.

Nachdem ich meine Worte wiedergefunden hatte, fragte ich die Melkmaschinen-Meisterin, wie bei den Bauern im Dorf diese esoterische Dienstleistung denn angenommen wurde. Daraufhin meinte sie - mit einem leicht verklärten Blick, dass ab dann die Bauern deutlich schneller mit ihren Traktoren durchs Dorf gebrettert sind - so italienisch - schon so‘n bisschen hengstisch.

Ich fragte dann, also - ich fragte für einen Freund, ob diese Heilerin dieses Seminar nicht auch mal auf Sylt abhalten kann. Vielleicht wäre da ein Bedarf. „Nee“, meinte sie daraufhin, an der Westküste ginge das eher nicht, die Wirkung trete nur auf der Geest, auf dem Geestrücken hier vor Angeln ein, „weil … das ist näher am Mond“.

Nun gut, dann werden die Autos auf Sylt weiterhin eher langsam fahren…