Kampen. Seit drei Jahrzehnten gehört die Galerie Herold fest zur Kunstlandschaft auf Sylt. Im August feiert das Familienunternehmen sein 30-jähriges Bestehen auf der Insel mit zwei besonderen Ausstellungen. In den Haupträumen des Hauses Meeresruh sind bedeutende Werke des norddeutschen Impressionismus, des Expressionismus und der klassischen Moderne zu sehen. Im Anbau steht das außergewöhnliche Schaffen von Heini Linkshänder im Mittelpunkt. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Die Verbindung der Familie Herold zu Sylt reicht bis ins Jahr 1954 zurück. Damals zog die verwitwete Großmutter von Patrick Herold mit ihren drei Söhnen Jörn, Norbert und Rainer auf die Insel. Aufgrund ihrer hervorragenden Englischkenntnisse arbeitete sie als Dolmetscherin für eine britische Militäreinheit. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Rainer Herold war zu dieser Zeit acht Jahre alt. Seine Kindheit auf Sylt war stark vom Sport geprägt. Am Westerländer Strand spielte er Fußball, auf der nahe gelegenen Tennisanlage verdiente er sich als Balljunge sein Taschengeld. Dabei betreute er auch prominente Gäste wie Freddy Quinn und Rudolf Schock. Dem Tennissport ist der frühere Klubmeister bis heute treu geblieben. Auch mit 80 Jahren steht er regelmäßig auf dem Platz.

Schon früh zeigte sich zudem sein ausgeprägtes Verhandlungsgeschick. Durch geschicktes Tauschen soll er innerhalb weniger Monate aus einer Handvoll Murmeln ein Luftgewehr gemacht haben. Diese Freude am Handel, verbunden mit Großzügigkeit, Fachwissen und einem besonderen Gespür für Qualität, prägte später seinen Weg als Kunsthändler.

Nach der Sturmflut von 1962 zog die Familie zurück aufs Festland. Erst Jahrzehnte später wurde Sylt wieder zu einem zentralen Ort ihres Lebens. Im Jahr 1996 entstand die Idee, in Kampen eine Dependance der Galerie Herold zu eröffnen. Von der ersten Überlegung bis zur Umsetzung vergingen gerade einmal fünf Tage. Zunächst öffnete die Galerie im Innenhof des Kampener Dorfkrugs ihre Türen. Seit der Gründung der Sylter Dependance im Jahr 1996 ist auch Rainer Herolds Ehefrau Karin eine feste Größe im Familienunternehmen. Als Mitarbeiterin und Gastgeberin prägt sie bis heute die Galerien in Hamburg und auf Sylt.

Aus der spontanen Entscheidung entwickelte sich eine angesehene Adresse für Kunstliebhaber und Sammler. Mit Geduld, Fachwissen und Überzeugungskraft trug Rainer Herold maßgeblich dazu bei, die Künstler des Hamburgischen Künstlerklubs von 1897 und der Hamburgischen Sezession wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Viele von ihnen waren nach dem Zweiten Weltkrieg nahezu in Vergessenheit geraten.

Die Jubiläumsausstellung spiegelt die große Bandbreite der über Jahrzehnte gewachsenen Galerietätigkeit wider. Präsentiert werden unter anderem Arbeiten von Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Paula Modersohn-Becker und Emil Nolde. Der bedeutende Expressionist Emil Nolde nimmt in der aktuellen Ausstellung im Haus Meeresruh einen besonderen Platz ein und ist dort mit einer Vielzahl von Bildern vertreten. Auch Künstler mit einer engen Verbindung zu Sylt erhielten in der Galerie immer wieder eine besondere Bühne.

Zum 30-jährigen Bestehen ist zudem der Jubiläumskatalog „30 Jahre Sylt – Die Galerie Herold und ihre Geschichte“ erschienen. Er zeichnet die Entwicklung des Familienunternehmens auf der Insel nach und erzählt von den Künstlern, ihrer Kunst und der Leidenschaft, die die Arbeit der Galerie seit drei Jahrzehnten prägt.

Eine außergewöhnliche Position nimmt Heini Linkshänder ein. Die Galerie Herold betreut seinen gesamten künstlerischen Nachlass, der mehrere hundert Arbeiten umfasst. Ein erster Teil wurde bereits in einem Buch veröffentlicht. Ein weiterer Katalog begleitet die aktuelle Ausstellung.

Heini Linkshänder wurde unter dem Namen Heini Strasser in Bayern geboren. Im Alter von 17 Jahren verlor er einen Teil seines rechten Arms. Fortan arbeitete er mit der linken Hand und wählte Linkshänder als Künstlernamen. Seine Ausbildung führte ihn zunächst an die Sommerakademie in Salzburg, später an die Akademien in München und Düsseldorf. Schließlich zog es ihn nach Worpswede, wo er rund 25 Jahre bis zu seinem Tod im Jahr 2012 lebte und arbeitete. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Sämtliche ausgestellten Werke schuf Linkshänder mit nur einem Arm. Dabei entwickelte er einen unverwechselbaren Stil, der seinen Arbeiten eine besondere Kraft und Eigenständigkeit verleiht. Erste Werke der Ausstellung haben bereits neue Besitzer gefunden. Die Preise fangen moderat an und ermöglichen damit auch Einsteigern den Zugang zum Sammeln von Kunst. 

Seit 2014 arbeitet Patrick Herold als Galerist und Kunsthändler an der Seite seines Vaters. Im selben Jahr entstanden im Anbau des Hauses Meeresruh zusätzliche Ausstellungsräume. Mit der Galerie Herold Contemporary erhielten Patrick Herold und seine Schwester Katharina die Möglichkeit, der Gegenwartskunst einen eigenen Raum zu geben. Katharina Herold führte zudem fünf Jahre lang eine weitere Galerie in Keitum, an die sich die Familie gern erinnert. Inzwischen lebt sie auf Mallorca. Dort verwandelte sie 2024 ein Stadthaus aus dem 18. Jahrhundert in einen außergewöhnlichen Ort für Kunst. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Nach 30 Jahren steht die Galerie Herold für Kontinuität und eine behutsame Weiterentwicklung. Während Rainer und Karin Herold das Familienunternehmen über Jahrzehnte aufbauten und prägten, führen ihre Kinder das Lebenswerk heute mit eigenen Schwerpunkten fort. Mit William und Grace wächst bereits die nächste Generation heran. So bleibt die Galerie Herold auch nach drei Jahrzehnten eine Familiengeschichte – getragen von Kunstleidenschaft, einem sicheren Blick für Qualität und einer besonderen Verbundenheit mit Sylt. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.