Morsum. Schnelle Pferde, konzentrierte Reiter und gespannte Blicke auf den kleinen Ring: Bei strahlendem Sonnenschein verwandelte sich der Muasem Guart am vergangenen Sonntag erneut in eine traditionsreiche Wettkampfarena. Der Morsumer Ringreiterverein von 1884 hatte zum alljährlichen Ringreiten eingeladen – und zahlreiche Zuschauer verfolgten das sportliche Geschehen rund um das Muasem Hüs. Für den passenden musikalischen Rahmen sorgte der Westerländer Musikverein, der den Tag mit seinem vielseitigen Repertoire begleitete und zur festlichen Atmosphäre beitrug.
Neun Reiter gingen mit ihren Pferden an den Start. Sie kämpften um jeden Ring, zahlreiche Preise und vor allem um die begehrten Würden des Königs, Prinzen und Kronprinzen. Der bisherige Hauptmann Matthias Schmitz begrüßte Ross und Reiter, bevor die ersten Pferde Fahrt aufnahmen und der sportliche Wettkampf begann.
Bahn um Bahn galt es, Pferd, Lanze und Blick im entscheidenden Augenblick perfekt zusammenzubringen. Im Galopp steuerten die Teilnehmer auf das Ringreitergalgen zu, unter dem ein kleiner Ring an einem Band befestigt war. Nur wenige Sekunden blieben, um die Lanze ruhig zu führen und den Ring im Vorbeireiten sicher aufzuspießen. Dabei waren nicht nur Treffsicherheit und Konzentration gefragt. Auch das Zusammenspiel zwischen Reiter und Pferd, ein gleichmäßiges Tempo und eine ruhige Hand entschieden über Erfolg oder Misserfolg.
Mit fortschreitendem Wettkampf wurden die Ringe immer kleiner und die Herausforderung größer. Jeder Treffer wurde vom Publikum aufmerksam verfolgt und gefeiert, während ein knapp verfehlter Ring für Spannung in der nächsten Runde sorgte.
Für einen besonderen Moment sorgte Christian Schmitz. Er holte den 111. Ring des Tages von seinem Band und musste damit nach alter Ringreitertradition eine Runde ausgeben.
Im Kampf um die Würden bewies Holger Weirup große Treffsicherheit und sicherte sich den Titel des Kronprinzen. Matthias Schmitz erritt zunächst die Prinzenwürde. Doch damit war der sportliche Höhepunkt des Tages noch lange nicht erreicht.
Am späten Nachmittag rückte die wichtigste Entscheidung in den Mittelpunkt. Das Ausreiten der Königswürde begann. Mehrere Reiter brachten sich mit guten Treffern in aussichtsreiche Position, und mit jeder Runde wuchs die Spannung im Muasem Guart. Schließlich behielt Matthias Schmitz die ruhigste Hand. Er setzte sich gegen seine Konkurrenten durch und krönte einen besonders erfolgreichen Turniertag mit dem Titel des Ringreiterkönigs 2026.
Mit dem Erringen der Königswürde gab Matthias Schmitz zugleich sein Amt als Hauptmann ab. Regulär wäre die Aufgabe an seinen Stellvertreter Frank Ingwersen übergegangen. Da dieser jedoch nicht am Ringreiten teilgenommen hatte, übernahm der Vorsitzende des Festausschusses, Matthias Petersen, das Amt des Hauptmanns. Im Anschluss wurde Rolf Anton Smedt für seine 25-Jährige Mitgleidschaft im Verein geehrt.
Das traditionelle Ringreiten gehört seit Generationen fest zum Morsumer Dorfleben. Der 1884 gegründete Morsumer Ringreiterverein zählt zu den ältesten Vereinen seiner Art auf Sylt. Bis heute verbindet der Wettkampf sportlichen Ehrgeiz und reiterliches Können mit gelebter Dorfgemeinschaft. Auch in diesem Jahr zeigte sich eindrucksvoll, wie lebendig diese alte Sylter Tradition geblieben ist.