Sylt. Morsum könnte schon bald einen Dorfkümmerer oder eine Dorfkümmerin bekommen. Mit diesem neuen Angebot möchte der Förderverein St. Martin zu Morsum das soziale Miteinander im Ort weiter stärken und Menschen jeden Alters eine verlässliche Anlaufstelle bieten. Vorgestellt wurde das Projekt jetzt im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung im Muasem Hüs, zu der mehr als 70 Interessierte gekommen waren.

Als Gast begrüßte der Förderverein Dina Dittebrandt, die seit fünf Jahren als Dorfkümmerin in der Gemeinde Brokdorf an der Elbe tätig ist. Sie gab einen Einblick in ihre tägliche Arbeit und zeigte auf, wie vielseitig dieses Aufgabenfeld sein kann. Neben der Organisation von Angeboten wie einem Klönfrühstück, Filmabenden, einer Entspannungsgruppe oder gemeinsamen Essen gegen Einsamkeit gehören auch persönliche Beratungsgespräche, Begleitungen zu Arztterminen und die Unterstützung in schwierigen Lebenssituationen zu ihrem Alltag. Grundlage ihrer Arbeit sei dabei ein besonderes Vertrauensverhältnis, das selbstverständlich der Schweigepflicht unterliege.

Der Vorsitzende des Fördervereins St. Martin zu Morsum, Michael Boysen, erläuterte die Beweggründe für das Vorhaben. Mit rund 1.100 Einwohnern sei Morsum in seiner Struktur durchaus mit Brokdorf vergleichbar. Ziel sei es jedoch nicht, ein bestehendes Modell eins zu eins zu übernehmen. Vielmehr solle ein Konzept entstehen, das sich an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort orientiert und zugleich neue Impulse für das Dorfleben setzt. Ein wichtiger Baustein sei dabei, Nachbarschaftshilfe zu fördern und vorhandene Netzwerke weiter auszubauen.

Für die Umsetzung sind die finanziellen Voraussetzungen bereits geschaffen. Der Förderverein kann eine Stelle mit einem Umfang von 20 Wochenstunden zunächst für einen Zeitraum von fünf Jahren finanzieren. Nach Angaben des Vereins wäre sogar die Finanzierung von zwei solchen Stellen möglich.

Welche Aufgaben der Dorfkümmerer oder die Dorfkümmerin künftig übernimmt, soll bewusst nicht von vornherein festgelegt werden. Vielmehr sollen sich die Schwerpunkte aus den Wünschen und Bedürfnissen der Morsumer entwickeln. Das Angebot richtet sich dabei ausdrücklich nicht ausschließlich an Senioren, sondern an alle Generationen im Dorf.

Aus den Reihen der Besucher erhielt das Projekt viel Zuspruch. Unterstützung signalisierten unter anderem die Vorsitzende des Seniorenbeirats der Gemeinde Sylt, Martha Berendes, die Morsumer Ortsbeiratsvorsitzende Ines Dreisow sowie Keitums Pastorin Susanne Zingel. Einigkeit bestand darin, dass die künftige Dorfkümmerin oder der Dorfkümmerer das Vertrauen der Dorfgemeinschaft genießen und als verbindende Persönlichkeit wirken sollte.

In den kommenden Wochen wird der Fördervereins St. Martin zu Morsum die Stellenausschreibung ausarbeiten. Bewerben können sich sowohl Interessenten von Sylt als auch Bewerber von außerhalb der Insel. Ziel ist es, eine Persönlichkeit zu finden, die das soziale Leben in Morsum nachhaltig bereichert und das Gemeinschaftsgefühl im Dorf weiter stärkt.