Hörnum. Mit der offiziellen Eröffnung der Muschelsaison 2026 hat die Erzeugerorganisation der schleswig-holsteinischen Muschelzüchter eine insgesamt positive Bilanz des vergangenen Jahres gezogen. Heinz Maurus, Vorsitzender der Erzeugerorganisation, verwies auf eine erfolgreiche Saison 2025 mit hochwertigen Sylter Miesmuscheln und einem Fleischanteil von über 30 Prozent. Die Nachfrage entlang der gesamten Wertschöpfungskette sei weiterhin hoch.

Zu Beginn der Veranstaltung gedachte die Branche der im vergangenen Jahr verstorbenen Muschelunternehmer Clemens Dittmeyer und David de Leeuw, die die schleswig-holsteinische Muschelwirtschaft über viele Jahre entscheidend mitgeprägt hatten.

Mit der im vergangenen Jahr vereinbarten Eckpunktevereinbarung verfügt die Muschelwirtschaft erstmals über eine langfristige Perspektive für die Bewirtschaftung im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Nach mehrjährigen Abstimmungen zwischen den Ministerien, der Nationalparkverwaltung und den Naturschutzverbänden liegt inzwischen ein gemeinsamer Entwurf für ein neues Muschelprogramm vor, das nun den Nationalparkkuratorien zur weiteren Beratung vorgelegt wird. Grundlage sind unter anderem neue Vorgaben der EU-Biodiversitätsstrategie, der FFH-Richtlinie sowie des Aktionsplans zum Schutz mariner Ökosysteme.

Große Sorgen bereiten der Branche jedoch die Veränderungen im Wattenmeer. Besonders im Hörnumtief funktionieren die Saatmuschelfanganlagen zunehmend unzuverlässig. Durch Veränderungen der Meeresböden und Versandung verlieren bisher ertragreiche Flächen ihre Produktionsfähigkeit. Deshalb könnten künftig neue Gebiete für die Muschelzucht erforderlich werden.

Neben den ökologischen Veränderungen belasten steigende Energie- und Personalkosten, der Fachkräftemangel, sanierungsbedürftige Hafenanlagen – insbesondere im Hörnumer Hafen – sowie umfangreiche Dokumentations- und Genehmigungspflichten die Betriebe zusätzlich. Auch der Klimawandel mit steigenden Wassertemperaturen stellt die Muschelwirtschaft vor neue Herausforderungen. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Schwieriger entwickelt sich auch die Austernzucht. Ein neues Zuchtverfahren führt zu höherem Arbeitsaufwand und deutlich steigenden Produktionskosten. Gleichzeitig ist die Erzeugung auf rund 500.000 Austern zurückgegangen. Begrenzte Überwinterungsmöglichkeiten und Eisgang im vergangenen Winter verursachten zusätzlich Verluste von rund 150.000 Austern.

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen blickt die Branche zuversichtlich auf die neue Saison. Die schleswig-holsteinischen Muschelzüchter setzen weiterhin auf nachhaltige Bewirtschaftung, moderne Technik und die enge Zusammenarbeit mit Politik, Behörden und Naturschutz. Ziel bleibt es, auch künftig hochwertige Sylter Miesmuscheln und Austern als regionales Premiumprodukt aus dem UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer zu erzeugen und damit einen wichtigen Beitrag für Wirtschaft, Arbeitsplätze und den Erhalt maritimer Traditionen an der Westküste zu leisten. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.