Ihr spielt diesmal nicht in einem klassischen Club oder auf einem Festival, sondern auf einer Fähre zwischen Deutschland und Dänemark. Was war euer erster Gedanke, als die Anfrage kam?
Wir haben uns gefreut. Auf einer Fähre haben wir noch nie gespielt, wir haben ziemlich schnell zugesagt.
Mit Smile erscheint euer zehntes Studioalbum. Was bedeutet dieses Album für euch persönlich – und warum trägt es gerade jetzt diesen Titel?
Wir mussten uns als Band neu strukturieren. Es war nicht leicht für uns in den letzten Jahren, denn wir haben uns vielen Konflikten stellen müssen - bandintern aber auch in näheren Bandumfeld. Als die Weichen gestellt waren, konnten wir dieses Album aufnehmen und es fühlte sich an wie ein Befreiungsschlag. Wir sind stolz auf uns, denn wir arbeiten gerade so selbstbestimmt wie noch nie zuvor. Wir haben die Platte selbst produziert, bringen sie auf unserem eigenen Label raus und managen uns mittlerweile selbst. So geht Indie Rock!
Ihr habt in über 20 Jahren unzählige Trends kommen und gehen sehen. Was hat sich am Musikgeschäft am stärksten verändert – und worauf könntet ihr gut verzichten?
Die Verbreitung der Musik hat sich komplett verändert. Physische Tonträger sind mittlerweile ein Liebhaber-Hobby. Musikfernsehen gibt es kaum noch und Radio hat längst nicht mehr Größe und Relevanz wie noch vor 20 Jahren. Die Vergütung beim Streaming ist für uns Musikschaffende einfach nicht fair und ich wünsche mir einfach dass Musik, die von Menschen geschrieben und aufgenommen wurde mehr wertgeschätzt wird. Auf KI Musik kann ich generell verzichten.
Viele eurer Fans begleiten euch seit den Anfängen. Wie schafft ihr es, euch musikalisch weiterzuentwickeln, ohne eure Wurzeln zu verlieren?
Wir sind neugierig und immer noch sehr inspiriert. Musik entstehen zu lassen macht uns große Freude und ich denke das hören und fühlen unsere Fans. Und wir lieben es Konzerte zu spielen. Da geben wir alles!
Sylt steht für viele Menschen für Urlaub, Freiheit und Meer. Verbindet ihr selbst Erinnerungen mit der Insel oder der Nordsee?
Ich war noch niemals auf Sylt! Auch deswegen war es mit wichtig dieses Konzert zu spielen. Ansonsten verbinden wir viel mit der Nordsee. Unser Vater ist Däne und kommt von Rømø. Wir haben dort schon als Kinder mit der Familie oft Camping Urlaub gemacht.
Ein Konzert auf einer Fähre bringt besondere Bedingungen mit sich – begrenzter Platz, Wind, Wellen und eine ganz andere Atmosphäre. Freut ihr euch auf diese Nähe zum Publikum?
Natürlich. Kleine Locations machen uns immer Spaß. Oft passieren da spontane oder lustige Dinge. Außerdem sind wir seetüchtig - zumindest hoffe ich das.
Ihr seid als Band und teilweise auch als Familie seit über 20 Jahren gemeinsam unterwegs. Gibt es ein Geheimnis dafür, dass ihr euch immer noch so gut versteht?
Wir sind uns nicht immer einig und wir streiten uns auch häufig (zumindest wir Brüder). Aber wir wissen auch dass wir uns lieben. Ich denke das Geheimnis ist das Verständnis füreinander. Wir kritisieren uns auch gegenseitig aber im Kern akzeptieren wir uns so wie wir sind.
Wenn Besucher euch zum ersten Mal live erleben – worauf dürfen sie sich bei der Music Night besonders freuen? Gibt es Songs vom neuen Album, auf die ihr euch live besonders freut?
Wir machen es uns live nie bequem. Wir spielen jedes Konzert so als ob es das letzte sein könnte. Dementsprechend kann man sich bei Madsen immer auf Energie freuen. Die neuen Songs passen super ins Liveset, es ist fast so als wären sie immer da gewesen. Auf „Smile“ und „1995“ freue ich mich gerade besonders.
Ihr seid seit mehr als 20 Jahren auf Tour und habt unzählige Konzerte gespielt. Was war die verrückteste oder skurrilste Situation, die euch unterwegs je passiert ist?
Wir wurde auf einem kleinen Festival mal als „Revolverheld“ angekündigt. Während des Konzertes haben wir es nicht aufgeklärt. Es gibt also vielleicht noch Leute irgendwo in der ostdeutschen Provinz, die denken dass „Du schreibst Geschichte“ ein Lied von Revolverheld ist.
Eine ganz persönliche Frage zum Schluss: Küss mich gehört zu meinen absoluten Lieblingssongs. Besteht die Chance, dass ihr ihn am Donnerstag auf der Syltfähre spielt – oder muss ich einfach auf etwas Glück hoffen?
Wie schön! Wir haben viele ältere Songs eingeübt und einiges wiederentdeckt. Ehrlicherweise war „Küss mich“ nicht dabei. Bei 10 Alben gibt es einfach so viele Lieder und einige habe wir fast schon vergessen. Deswegen: Danke für die Erinnerung! Auf der Fähre wird es noch nicht gespielt aber wir werden es mal wieder einüben - versprochen!