Früher gab es jedes Jahr Streit mit den Südländern wegen der Ferienregelung: Auch die Nordlichter, so hieß es, wollten mal Ende August in die warme Sonne. Aber die Angst war groß, dass dann die Hauptsaison in Deutschland auf nur sieben Wochen zusammendampft.

Ich behaupte: Alles Quatsch - es geht doch! Schulferien haben nicht mehr die Relevanz für die Auslastung hier an der Küste. Rechenbeispiel: Es gibt ungefähr zehn Millionen Kinder im schulpflichtigen Alter. Im Schnitt sind es zwei pro Familie. Zusammen mit den Eltern/Alleinerziehenden sind das so um die 18 Millionen, um die es hier geht. Gut die Hälfte - die Klügeren - fahren nicht weg, bleiben zuhause. Jetzt sind wir bei acht Millionen. Wenn wir nun von einer Kern-Ferienzeit vom 15. Juli bis zum 10. September ausgehen, dann sind das vier Zweiwochen-Blöcke, auf die sich alles verteilt. Also, jeweils nur zwei Millionen, also zweieinhalb Prozent von allem.

Das reicht ja nicht einmal für ’nen anständigen Stau auf der A7! Und die verbleibenden 75 Millionen Deutschen machen in den verbleibenden zehn Monaten Urlaub. Wo ist das Problem...?

Jeder Sylter kann es doch bezeugen: Sind am 10. September endlich alle Ferien durch, wird die Insel von wohlhabenden, frühpensionierten Silver-Agern geflutet. Dann brummt der Laden hier bis Halloween.

Fazit: Soll doch jeder dann Ferien machen, wann er will - wir kommen schon zurecht. Ich jedenfalls.

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Früher war ich ja gegen eine Kurabgabe. Ich glaube, ich habe darüber manchmal ziemlichen Blödsinn geschrieben. Tut mir echt leid.

Tschuldigung. Nehme ich alles zurück. Jetzt hat sich die „taz“ mal über das Thema ausgelassen. Sie meint, das geht so in Ordnung - ist halt Marktwirtschaft: Da, wo viel los ist, kann man auch viel abgreifen - quasi Staats-Kapitalismus. Auf den Galapagosinseln nehmen sie mittlerweile 100 Dollar
pro Tag. Da ist aber sicherlich der ÖPNV schon bei.

Ich war mal auf einer Ostfriesischen Insel - egal - den Namen habe ich vergessen. Da kamst du zum Urlaubsende nur zurück auf die Fähre, wenn du dem Kapitän die Quittung für die bezahlte Kurtaxe hinlegen konntest - sonst Ende Gelände. Super-Idee - unbedingt nachmachen.

Ich finde, wir sollten die Höhe unserer Kurabgabe an den Preis für das Quartier koppeln. Oder an den Body-Mass-Index. Oder an das zu versteuernde Einkommen. Mal ehrlich - manch einer unserer High-Performer in Kampen währe doch stolz drauf: „…mein Haus - meine Yacht - meine Kurtaxe…“.

Und die Parkgebühr auf der Insel, da sollten wir uns an der City of London oder Singapur orientieren - so zehn oder 20 Euro pro angefangene Stunde. Mindestens.

Unsere Gäste wollen doch zu Hause von ihrer Zeit auf Sylt erzählen. So prickelnde Abenteuer, dass einem ein Schauer über den Rücken läuft. Denen kann doch geholfen werden.

Und wer nun partout keine Kurabgabe zahlen will, kann ja in der Hochsaison

als Punker Sylt aufsuchen. Du chillst ein paar Wochen mit Gleichgesinnten, hast ein paar neue FreundInnnen, gleichzeitig oder nacheinander, günstige Getränke gibt es auf der anderen Seite der Keitumer Chaussee und den ganzen Müll räumt nachher das Ordnungsamt weg. Die Rückfahrt geht per Deutschland-Ticket - das zahlen wir - ist dann ja auch eh‘ egal.

Kurtaxe, what the fuck is that…?

Nachtrag: Die Kurabgabe für Nepal beträgt 29.500 Euro. Gut, dafür wird man von den Sherpas bis auf den Gipfel des Mount Everest gezerrt.

Die machen da alles, was gutes Geld bringt: Jetzt wird gerade eine Gipfel-Expedition für Menschen mit Laktose-Intoleranz zusammengestellt. Da allerdings wird man sicherlich noch ‘n bisschen drauflegen müssen.