Vor dreihundert Jahren heuerten die Sylter Knaben im zarten Alter von zwölf Jahren auf Walfangschiffen an. Dort stiegen sie zügig vom Decksjungen zum Kapitän auf. Sie verschacherten Sklaven von Afrika zu den Baumwollfeldern Alabamas, sie fuhren dorthin, wo der Pfeffer wächst, und die Ukulele weint.
Andere Sylter wurden Missionare und bekehrten, dem Herrgott zum Erstaunen, fröhliche Asiaten zum lustfeindlichen Protestantismus norddeutscher Prägung.
Irgendwann, wohlhabend heimgekehrt, heiratete der Sylter ein kompaktes Friesenweib, das ihm einen Schwung Kinder gebar. Er wurde Deichgraf oder Landvogt und träumte dann nur noch von der Ferne, von hawaiianischen Prinzessinnen, mit denen er schon mal den Hula-Tanz gewagt hatte.
Heute fahren die jungen Sylter für ein Jahr als Austauschschüler nach Amerika. Stark pubertierend, mit Zahnspange und Pickel reisen sie los. Die ersten Telefonate noch voller Heimweh, schluchzend und tränensatt. Im folgenden Sommer dann kommen sie zurück, strahlend, voller innerer Reife, blendend aussehend, sportlich, lässig, cool.
Ja, die Inseln Sylt, Föhr und Amrum haben eine starke Amerika-Affinität. Die einen fahren mit ihrem Klöppelverein nach New York und latschen mit der Steuben-Parade durch die Häuserschluchten, die anderen kaufen sich mit überschüssigem Geld ein Haus in Florida und dezimieren mit unkoordiniertem Golfspielen die Alligatoren in den dortigen Sümpfen.
Dazu passt natürlich sehr gut, dass Bill Gates das Vorbild aller Sylter Vermieter ist, denn auch der hat mal mit einer Garage angefangen.
Wenn heute Amerikaner die „Königin der Nordsee“ besuchen, sind die schnell entzückt und sagen: „Well, it‘s so lovely, it look‘s like Martha‘s Vineyard!“
Dieser Vergleich mit der ostamerikanischen Superreichen-Edel-Promi-Insel ist schmeichelhaft, aber doch überzogen: Allein schon der Promi-Faktor - Rockefeller, Kennedy, Steven Spielberg und Arnold Schwarzenegger steht bei denen auf den Türschildern, während bei uns nur noch Mike Krüger und Dieter Bohlen über den Sandknust kaspern.
Der neueste Modetrend in der Sylter Szene ist die amerikanische Staatsangehörigkeit für die eigenen Kinder. Das ist - noch - planbar:
im April wird das Kleine angesetzt, sodass die Gattin noch das sommerliche Vermietgeschäft durchführen kann. Gegen Halloween landet man dann in den USA. Der Bauch wird unter der Sonne Floridas rund und im Januar kommt der kleine Friese (als Amerikaner) zur Welt.
Zum Grünkohlessen, zur Biike ist man dann wieder auf der heimischen Insel.
Warum das alles? Nun, wenn die Kinder später dann einmal rübermachen wollen, brauchen sie nicht an der Greencard-Lotterie teilnehmen, diesem unwürdigen, internationalen Unterschicht-Event. Sie klatschen dem Immigrations-Officer ihren Stars-and-Stripes-Passport auf den Tresen und sagen lässig: „…hello, America, I‘m back…“
Der Funkturm bei Puan Klent wurde viele Jahre von amerikanischen Soldaten der US-Coast Guard betrieben. Viele von ihnen heirateten Sylter Frauen, die sie dann mit in die Staaten nahmen. Die Kinder aus diesen glücklichen Beziehungen waren natürlich alles Sylter - wegen der starken Gene.
Und so war, so ist es auch mit deren Kindern und Enkelkindern. Alles Sylter. Und wenn man das nun in die Zukunft hochrechnet - mein Gott, simple Mathematik - dann sind in 241 Generationen die Hälfte der US-Amerikaner blonde SylterInnen. Das ist so. Spätestens dann ist aber Schluss mit Trump!