Sylt. Die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften (DJM) im Schwimmen gelten als das nationale Highlight. Allein die Qualifikation für diesen Wettbewerb ist bereits ein großer Erfolg. In diesem Jahr gingen vom 9. bis 13. Juni im Berliner Europasportpark fast 1.300 Sportler aus 294 Vereinen an den Start – einer davon der TSV Westerland mit Johanna Gerlach aus Tinnum und Lennart Guetari aus List. An ihrer Seite: Chefcoach Dirk Hübler.

Beide Sylter starteten als Spezialisten auf den Schmetterlingsstrecken. Johanna Gerlach (Jahrgang 2012) trat erstmals bei der DJM über 50 Meter Schmetterling an. Bereits zum dritten Mal bei diesem nationalen Highlight dabei: Lennart Guetari (Jahrgang 2011), der über 50, 100 und 200 Meter Schmetterling antrat.

Die Ziele waren ambitioniert: Neue persönliche Bestzeiten sollten her, bestenfalls verbunden mit einer Platzierung im vorderen Feld. Die Konkurrenz war enorm stark. Viele der Athletinnen und Athleten kennen sich bereits von den DSV-zertifizierten Qualifikationswettkämpfen der Serie „Road to DJM“, bei denen die Sylter in Wuppertal, Bremen und Bochum vertreten waren.

Lennart Guetari bestätigte seine hervorragende Form. Auf allen drei Strecken schwamm er neue persönliche Bestzeiten und verbesserte seine Vereinsrekorde. Über 200 Meter Schmetterling erreichte er in 2:20,69 Minuten einen starken 14. Platz. Die 14 zog ihn magisch an, denn die gleiche Ranghöhe erreichte er auch über 100 Meter Schmetterling. Dort schlug er nach 1:01,31 Minuten an – zweimal also unter den Top 14. Über 50 Meter Schmetterling belegte er in 27,64 Sekunden Rang 22.

„Mit den Zeiten bin ich sehr zufrieden, auch wenn ich mir natürlich sehr gewünscht hätte, zumindest über 200 Meter Schmetterling ins Finale einzuziehen“, sagt Lennart Guetari rückblickend. „Die Woche hat gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Auch vor Ort beim Wettkampf selbst wurden technische Feinheiten analysiert und angepasst, was sich insbesondere auf der 100-Meter-Strecke für Lennart positiv bemerkbar machte.

Lennart Guetari ist derzeit der mit Abstand erfolgreichste Schwimmer des TSV Westerland. Zahlreiche Landesmeistertitel, die regelmäßige Berufung in den Nachwuchskader des Schleswig-Holsteinischen Schwimmverbandes sowie die Teilnahme an verschiedenen Nachwuchs-Länderkämpfen zählen zu seinen bisherigen Erfolgen. Dass er sich zum dritten Mal in Folge für die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften qualifizieren konnte, unterstreicht sein außergewöhnliches Talent.

Besonders bemerkenswert ist dies vor dem Hintergrund der Trainingsbedingungen auf Sylt: Mit der Sylter Welle steht lediglich ein öffentliches 25-Meter-Becken zur Verfügung. Cheftrainer Dirk Hübler macht für die Syltschwimmer das Beste daraus und richtet das Training entsprechend aus. Auch spezifische Landtrainings in Zusammenarbeit mit dem dänischen Sportverein VUI in Keitum oder Sylt Fitness in Tinnum gehören zum Angebot des Leistungstrainings.

Dirk Hübler über die DJM: „Wenn wir fast eine Woche gemeinsam auf einem Wettkampf unterwegs sind, ergeben sich viele Gelegenheiten, an Strategie, Technik und auch am Mindset zu arbeiten“, erklärt Dirk Hübler. „Die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften bedeuten für junge Sportlerinnen und Sportler auch eine hohe mentale Belastung. Die Sportler müssen hier lernen, mit dem Druck umzugehen und beim Start selbst die beste Leistung abzurufen.“

Mit dem Willen, ihr bestes Rennen überhaupt zu absolvieren, ging auch Johanna Gerlach an den Start. Die Sylterin war als DJM-Nachrückerin nominiert worden. „Bestzeit verbessern“, lautete ihr Ziel, und möglichst unter die besten 30 Schwimmerinnen Deutschlands vorzustoßen.

Dabei stellt bereits die Qualifikation für Johanna einen bemerkenswerten Erfolg dar – sie schwimmt erst seit zwei Jahren bei Dirk Hübler, und die Schmetterlingsdisziplin zählt zu ihren zuletzt erlernten Schwimmarten.

Johannas Rennen verlief jedoch unter schwierigen Bedingungen. Beim Startsprung verletzte sich Johanna Gerlach so unglücklich mit einer Avulsionsfraktur, dass sie die gesamte Strecke unter Schmerzen absolvieren musste. Trotzdem kämpfte sie sich entschlossen bis ins Ziel und erreichte mit 31,34 Sekunden einen respektablen 31. Platz in Deutschland.

„Dieser Wettkampf war für mich echt sehr herausfordernd“, sagt Johanna Gerlach. „Ich war nervös vor dem Start, aber gleichzeitig überglücklich, überhaupt dabei zu sein.“ Sie blickt nach vorne: „Dass die DJM-Verletzung mich zurückwirft, ärgert mich. Aber auch das werde ich überstehen und – wenn alles verheilt ist – gestärkt zurückkommen.“

„Johanna ist sehr willensstark“, sagt Cheftrainer Dirk Hübler. „Dass sie verletzt die 50 Meter Schmetterling durchgezogen hat, zeigt, wie fokussiert sie in diesen Sekunden war. Diese Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen an die eigenen Grenzen zu gehen, ist im Leistungssport eine wichtige Eigenschaft. Jetzt hat jedoch ihre vollständige Genesung oberste Priorität.“

Nach fünf intensiven Wettkampftagen in Berlin sind die Sylter inzwischen wieder in den Alltag zurückgekehrt – natürlich mit starken DJM-Erinnerungen. Der Blick richtet sich nun auf den Saisonabschluss am 27./28. Juni unter anderem beim „SHSV Nord-Ostsee-Sprint 2026“ in Heide. Lennart Guetari wird dort erneut angreifen, Johanna Gerlach hingegen wird sich schonen und dem Wettkampfbecken vorerst fernbleiben.