Sylt. Der Goldafter beschäftigt Behörden, Gemeinden und Grundstückseigentümer auf Sylt weiterhin intensiv. Problematisch sind dabei nicht die späteren Nachtfalter selbst, sondern die Raupen des Goldafters, deren Brennhaare bei Menschen gesundheitliche Beschwerden auslösen können. Wie aus einer aktuellen Präsentation des Landschaftszweckverbandes Sylt (LZV) hervorgeht, wurden inzwischen in nahezu allen Inselgemeinden entsprechende Vorkommen nachgewiesen. Besonders betroffen ist derzeit Kampen, wo die stärksten Befallsgebiete festgestellt wurden.
Die Raupen des Goldafters verfügen über feine Brennhaare, die bei Menschen teils erhebliche gesundheitliche Beschwerden auslösen können. Nach Angaben des Landschaftszweckverbandes reichen die Symptome von Hautausschlägen, Augenreizungen und Atemwegsbeschwerden bis hin zu schweren allergischen Reaktionen. In Einzelfällen kann sogar ein anaphylaktischer Schock nicht ausgeschlossen werden.
Besonders problematisch ist, dass die Brennhaare leicht vom Raupenkörper abbrechen und sich durch Wind in der Umgebung verteilen können. Dadurch ist ein direkter Kontakt mit den Raupen nicht zwingend erforderlich. Zudem können die Brennhaare über Jahre in der Umwelt bestehen bleiben. Beschwerden treten teilweise erst Stunden oder sogar Tage nach dem Kontakt auf.
Wie stark Menschen auf die Brennhaare reagieren, ist unterschiedlich. Während einige Betroffene lediglich leichte Hautreizungen entwickeln, leiden andere unter deutlich stärkeren gesundheitlichen Einschränkungen.
Die Gesundheitsgefahr geht dabei ausschließlich von den Raupen und ihren Brennhaaren aus. Der ausgewachsene Falter selbst ist für Menschen ungefährlich.
Nach den Erkenntnissen des Monitorings wurden Goldafter-Vorkommen inzwischen in List, Kampen, Braderup, Wenningstedt, Westerland, Morsum, Archsum, Rantum und Hörnum bestätigt. Teilweise befinden sich die Befallsgebiete in unmittelbarer Nähe von Wohngebieten, Wegen und öffentlichen Flächen.
Um die weitere Ausbreitung einzudämmen, wurden in den vergangenen Monaten bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Dazu gehören das Monitoring der Bestände, die Entfernung von Wintergespinsten, die Schulung von Bauhofmitarbeitern und Fachfirmen im Umgang mit Brennhaarschädlingen sowie die Absaugung von Raupen und Gespinsten. Darüber hinaus wurden betroffene Bereiche beschildert, um Spaziergänger und Anwohner zu sensibilisieren.
Auch Kreis und Land sind aktiv geworden. Nach Angaben des Landschaftszweckverbandes wurden auf rund zehn Hektar Fläche Wirtspflanzen mechanisch entfernt. Zusätzlich kamen in Kampen auf etwa vier Hektar Geotextilien zum Einsatz, um die weitere Ausbreitung einzudämmen.
Darüber hinaus wird immer wieder die Frage gestellt, warum der Goldafter nicht flächendeckend mit Insektiziden bekämpft wird. Nach Angaben aus dem naturschutzfachlichen Umfeld ist eine solche Maßnahme mit hohen rechtlichen und fachlichen Hürden verbunden. Vor einem möglichen Einsatz müssten umfangreiche Risikoabschätzungen erfolgen und die Auswirkungen auf andere Tier- und Pflanzenarten geprüft werden.
Gerade auf Sylt befinden sich viele der betroffenen Flächen in oder in unmittelbarer Nähe von naturschutzfachlich sensiblen Bereichen. Entsprechende Maßnahmen müssten daher unter anderem mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Nordfriesland abgestimmt werden. Dabei wäre zu bewerten, welche Folgen ein möglicher Insektizideinsatz für andere Insektenarten, Vögel oder weitere Bestandteile des Ökosystems haben könnte.
Hinzu kommen Fragen der Sicherheit für Menschen und Haustiere. Viele betroffene Bereiche liegen in der Nähe von Wohngebieten, Spielplätzen, Schulwegen oder beliebten Spazierstrecken. Bei einem möglichen Einsatz von Insektiziden müssten daher auch Auswirkungen auf spielende Kinder, Hunde sowie andere Haus- und Wildtiere berücksichtigt werden.
Vor diesem Hintergrund setzen die Verantwortlichen derzeit vor allem auf Monitoring, mechanische Bekämpfung, Absaugung von Raupen und Gespinsten sowie die Entfernung von Wirtspflanzen. Ziel ist es, die Ausbreitung des Goldafters einzudämmen und gleichzeitig mögliche Auswirkungen auf Mensch, Natur und Umwelt möglichst gering zu halten.
Die Inselverwaltung bittet die Bevölkerung weiterhin um Unterstützung bei der Erfassung neuer Vorkommen. Wer Goldafter-Raupen oder Gespinste entdeckt, sollte diese möglichst mit einer genauen Standortbeschreibung und Fotos melden.
Befinden sich die Funde in sensiblen Bereichen, etwa in der Nähe von Schulen, Kindergärten, Spielplätzen oder Wohngebieten, können sie direkt an die Inselverwaltung gemeldet werden:
Telefon: 04651 851-480
E-Mail: veronika.vogel@gemeinde-sylt.de
Für alle weiteren Bereiche steht das Online-Meldeportal unter www.sylt.de/goldafter zur Verfügung.
Gleichzeitig weisen die Experten darauf hin, dass der Goldafter häufig mit der harmlosen Gespinstmotte verwechselt wird. Deren Raupen sind unbehaart und ungiftig. Die derzeit vielerorts sichtbaren weißen Gespinste stammen daher nicht zwangsläufig vom Goldafter.
Nach Einschätzung des Landschaftszweckverbandes bleibt die Sensibilisierung der Bevölkerung ein wichtiger Baustein im Umgang mit dem Schädling. Aktuelle Informationen, Hinweise zu Befallsgebieten und Verhaltensregeln werden fortlaufend über die Internetseite der Gemeinde Sylt veröffentlicht.