Kampen. (red) Seit über drei Jahrzehnten steht die Galerie Herold für eine qualitätsvolle Auseinandersetzung mit norddeutscher Kunst und deren Entwicklung von der klassischen Moderne bis in die Gegenwart. Gegründet wurde das Familienunternehmen im Jahr 1978 von Rainer Herold. Heute wird die Galerie in zweiter Generation von Patrick Herold und Katharina Herold geführt, die das Profil behutsam erweitern und zugleich die gewachsene Tradition bewahren. Neben dem Standort in Kampen ist die Galerie auch in Hamburg in den Colonnaden präsent. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Im Fokus stehen bedeutende Künstlervereinigungen, die die norddeutsche Kunstgeschichte nachhaltig geprägt haben. Dazu zählen unter anderem der Hamburgische Künstlerclub von 1897, die Hamburgische Sezession sowie die expressionistische Künstlergruppe Brücke. Ergänzt wird das Programm durch ausgewählte Positionen der zeitgenössischen Kunst.

Der Hamburgische Künstlerclub von 1897 gilt als eine der frühen Keimzellen moderner Kunst in der Hansestadt. Die Werke orientierten sich stark am französischen Impressionismus und beeinflussten die Entwicklung der regionalen Kunstszene maßgeblich. Nach dem Ersten Weltkrieg formierte sich 1919 die Hamburgische Sezession, die mit ihren 52 Mitgliedern – darunter auch Künstler jüdischer Herkunft – neue Impulse setzte. Unter dem Druck des nationalsozialistischen Regimes löste sich die Vereinigung 1933 selbst auf.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Künstlergruppe Brücke, die 1905 in Dresden gegründet wurde und den Expressionismus in Deutschland entscheidend prägte. Zu ihren zentralen Vertretern zählen Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Ernst Ludwig Kirchner. Zeitweise gehörten auch Emil Nolde, Max Pechstein und Otto Mueller zur Gruppe. In Kampen sind aktuell mehrere Werke von Emil Nolde zu sehen. Auch Franz Nölken gehörte dazu. Er bekam 1997 eine Einzel-Ausstellung im Brücke-Museum in Berlin. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Besondere Aufmerksamkeit erfährt auch das Gemälde „Bildnis einer Bäuerin im Profil“ aus dem Jahr 1898 von Paula Modersohn-Becker. Sie zählt zu den bedeutendsten Wegbereiterinnen des frühen Expressionismus. Anlässlich ihres 150. Geburtstags befindet sich dieses Gemälde zur Zeit als Leihgabe im Paula-Modersohn-Becker-Museum in Bremen.

Mit der direkt angrenzenden Herolds Contemporary Galerie widmet sich die Familie gezielt der Gegenwartskunst. Gezeigt werden unter anderem Arbeiten von Hermann Grünberg, Vicente Hirmas, Vera Edwards, Nana Berthelot, Heini Linkshänder und Johannes Geccelli.

Darüber hinaus wurde das Engagement international ausgeweitet. Bereits 2024 eröffnete Katharina Herold auf Mallorca die Heroldian Art. In einem historischen Townhouse in Felanitx vereint das Konzept Künstlerresidenz, Galerie und privaten Wohnraum. Die Räume sind individuell kuratiert und verbinden Werke aus dem Galerieprogramm mit persönlichen Sammlungsstücken und internationalen Fundstücken.

Die Galerie Herold ist täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet, sonntags ab 12 Uhr. Sie richtet sich sowohl an kunstinteressierte Besucher als auch an Sammler und bietet einen fundierten und zugleich zugänglichen Einblick in zentrale Positionen der Kunstgeschichte sowie in aktuelle Entwicklungen der Gegenwartskunst.