Im Sommer verändert sich der Rhythmus auf Föhr. Die Tage sind lang, die Wege staubig, die Luft warm – und auf den Reitplätzen der Insel wird eine Tradition lebendig, die seit Jahrhunderten zum Inselleben gehört: das Ringreiten. Was einst als Übung im Umgang mit Pferd und Lanze begann, ist heute ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens auf der Insel.

Das sogenannte Ringreiten ist auf Föhr bereits seit dem 16. Jahrhundert belegt. In den 1920er-Jahren gründeten sich die ersten Ringreitervereine, damals noch ausschließlich für Männer. Mit der Gründung des Frauen-Ringreitervereins im Jahr 1989 erhielt der Brauch ein neues Kapitel. Heute tragen vier Vereine diese Tradition: Rot steht für die Frauen, Schwarz für die Mitteldörfer, Grün für Osterlandföhr und Weiß für Westerlandföhr. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Im Mittelpunkt steht der sportliche Wettkampf. Im Galopp reiten die Teilnehmer mit einer rund 1,50 Meter langen Lanze auf einen kleinen Metallring zu, der zwischen zwei Pfosten aufgehängt ist. Runde für Runde wird der Ring kleiner, bis schließlich der Königsring gestochen wird – kaum größer als eine Münze. Wer die meisten dieser kleinen Ringe trifft, wird zur Ringreitkönigin oder zum Ringreitkönig gekürt und trägt den Titel für ein Jahr. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Doch Ringreiten ist weit mehr als ein sportlicher Wettbewerb. Wenn die amtierenden Könige am Morgen feierlich von ihren Vereinen abgeholt werden, beginnt ein Festtag für das ganze Dorf. Nach dem Wettkampf folgen Preisverleihung und Festzug. Reiter, Pferde, Musik und geschmückte Fähnchen ziehen durch die Straßen und verleihen dem Sommer auf Föhr eine besondere Atmosphäre.

Auch Kinder und Urlaubsgäste können teilnehmen. In eigenen Wettbewerben sammeln viele ihre ersten Erfahrungen – und entdecken dabei ein Stück Föhrer Tradition.

Ein besonderer Höhepunkt ist das Bundesringreiten, bei dem alle vier Vereine der Insel gegeneinander antreten. Dann zeigt sich das Ringreiten in seiner ganzen Vielfalt: als lebendige Verbindung aus Geschichte, Gemeinschaft und sportlichem Ehrgeiz – und als Sommermoment, der auf Föhr bis heute gepflegt wird.