Sylt. Die Verwaltung der Gemeinde Sylt hat in vorauseilendem Gehorsam eine Beschlussvorlage erstellt, die den Bauturbo für Sylt mehr oder weniger ausschaltet. Ja, man möchte es kaum glauben!

Dabei ist der Bauturbo ein unerwartetes Geschenk. Er kann einen großen Beitrag zur Lösung des Wohnraumproblems auf Sylt leisten. Wenn man ihn denn lässt! Wenn wir in allem immer nur die Risiken und die Probleme heraufbeschwören, dann werden wir nicht weiterkommen. Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Auf dem Festland entsteht ein Baugebiet nach dem anderen. Kaum ist man mit dem Zug angekommen, winken schon die glücklichen Eigenheimbesitzer. Viele davon Exil-Sylter, die rübergemacht haben. Kein Wunder! Auf Sylt gibt es seit Jahrzehnten kein einziges Baugebiet. Die letzten sind so lange her, dass die Bewohner entweder bereits verstorben oder im höchsten Rentenalter sind. Und wenn die Gemeinden bzw. das KLM mal ein paar Baugrundstücke herausgeben, dann zu einer Erbpacht, die so hoch ist, dass die Menschen dankend ablehnen, es sich schlichtweg nicht leisten können oder doch lieber für ein Eigentumsgrundsstück auf dem Festland entscheiden. Wer für 600 qm schon mehrere hundert Euro Grundstücksmiete im Monat zahlt, dem fehlt das Geld für die Finanzierung des Hausbaus.

Für einen Euro – pro Grundstück, nicht pro Quadratmeter

Liebe Politiker: Wenn Ihr es ernst meint mit den vielen lautstarken Bekenntnissen zu mehr bezahlbarem Wohnraum, dann nutzt den Bauturbo als Chance und macht viele Hektar an den Ortsrandlagen zu Bauland auf Erbpacht. Aber macht es für einen Euro pro Grundstück! Nicht für einen Euro je Quadratmeter! Denn das kann sich niemand leisten.

Nach all dem Missbrauch und all den Enttäuschungen sollten wir keine Grundstücke mehr verkaufen, das ist doch klar. Aber wir sollten den verkaufswilligen Eigentümern die ortsrandnahen Wiesen abkaufen, in Gemeindeeigentum bringen und darauf Erbpacht für Sylter vergeben. Setzt Euch ein Limit von 50 Euro pro Quadratmeter für den Ankauf. Und legt fest, dass nur die Flächen gekauft werden, die schon vor dem Beschluss im Eigentum des Verkäufers waren – damit sich keine Glücksritter schnell Flächen zusammenkaufen. Ja, das sind dann 500.000 Euro für einen Hektar. Und ja, da verdienen Eigentümer richtig Geld. Ja, richtig. Es ist ja auch deren Eigentum und wir wollen etwas von denen! Aber 50 Euro pro Quadratmeter sind noch immer ein Witz gegen Grundstückspreise von 1.000 Euro und mehr. Selbst wenn die Erschließung noch durch die Gemeinde geleistet werden muss, ist es günstig. Und das erlaubt die Frage: Wie teuer oder günstig darf die Rettung der Eigentumsstruktur der Insulaner sein? Wieviel ist es uns wert den Trend zu stoppen, dass die Sylter ihr Eigentum Generation für Generation verkaufen müssen?

Günstige Häuser statt Sylter Sonderlocken

Und dann sollten wir es den Syltern erlauben, darauf günstige Häuser zu bauen. Die Vorgaben für diese Grundstücke sollten sich an den verfügbaren Angeboten der Anbieter günstiger Häuser orientieren – damit nicht die Sylter Sonderlocken die ansonsten günstigen Hausangebote wieder unnötig teuer machen. Und dabei sollte es uns egal sein, ob rote Klinker oder Holzfassade, ob Gründach oder Tonpfannen. Und vielleicht sollte es uns auch egal sein, ob Friesengiebel, altengerechter Bungalow oder zweigeschossiges Familienhaus mit geringer Dachneigung. Hauptsache Sylter können es sich leisten und entscheiden sich auf Sylt zu bleiben. Hauptsache es gibt wieder Straßen auf denen Kinder spielen und mit Kreide malen.

Klarstellend: wir freuen uns über jede Mietwohnung auf Sylt, die modern und gepflegt ist und deren Miete nicht das Einkommen aufnagt. Aber wir brauchen genauso dringend die Chance für Einheimische, Eigentum zu begründen – als Lebensmittelpunkt und als Altersvorsorge. Die Eigentumsquote ist auf Sylt maximal halb so hoch wie auf dem Festland (Festland ca. 50%, Sylt 20-25%). Das können wir ändern! Und zwar schnell. Denn der Bauturbo lässt solche Baugebiete in wenigen Monaten entstehen statt in Jahren und Jahrzehnten quälender Bauleitverfahren mit Umweltprüfung hoch und runter. Und auch für Mehrfamilienhäuser könnte man eben diese Erbpachtgrundstücke an Investoren geben, damit diese dort Dauerwohnungen bauen. Dadurch, dass die Grundstücke Gemeindeeigentum bleibt, kann die Gemeinde für den unwahrscheinlichen Fall von Missbrauch die Grundstücke wieder durch Heimfall (technischer Begriff für Rückholung in Gemeindehand) zurückholen.

Und wer jetzt argumentiert, Regionalplan und Landesplanung untersagten Baugebiete für Einheimische im ortsrandnahen Außenbereich, der möge direkt in Kiel anrufen und sich eines Besseren belehren lassen. Wir haben mit dem Staatssekretär gesprochen und wir waren im Innenministerium: es ist möglich! Und wer dann in diesem betont bedachten Ton des Bedenkens, der jeden Fortschritt vernichtet, auf Beschlüsse von 1848 oder 2012 verweist: dann heben wir diese Beschlüsse halt auf! Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Wir haben nun so viele Jahre zugeguckt, wie die Sylter nach und nach verkaufen. Nun ist es an der Zeit, endlich die Sylter in den Vordergrund zu stellen. 

Und noch etwas zum kleinen Bauturbo: auch im Innenbereich (also den normalen vorhandenen Straßenzügen) sollten wir uns gut überlegen, ob wir immer nur restriktiv rangehen und es den Menschen schwer machen. Für die Familien, die noch Eigentum haben ist es eine tolle Chance auf eigenem Grund und Boden eine Wohnung für die Eltern oder Kinder anzubauen oder aufzustocken. Für viele ist es die einzige und letzte Chance, bevor es aufs Festland geht. Einfach mal ausprobieren. In vier Jahren ist das Gesetz ohnehin wieder abgelaufen. 

Machen ist wie wollen, nur krasser!

Herzlichst Dieser Artikel erschien zuerst exklusiv bei Dein Sylt / Sylter Spiegel.

Ole König