Sylt. Nachdem es im vergangenen Jahr nach Starkregen in den Ostdörfern zu großflächigen Überschwemmungen gekommen war, beschäftigte sich der Umweltausschuss in seiner Mai-Sitzung erneut mit der Problematik. Betroffen waren nicht nur landwirtschaftliche Flächen im Nössekoog, sondern auch Straßen in Morsum sowie einzelne Keller, in die Wasser eingedrungen war.
Vor der Sitzung verschafften sich die Ausschussmitglieder bei einer Bereisung einen Überblick über die Situation. Besichtigt wurden unter anderem die Durchlässe am Wadensiel und am Tinnumer Kreuz sowie ein provisorisch ausgebaggerter Graben in Morsum.
Nach Angaben während der Besichtigung sei es zu den Überschwemmungen gekommen, weil Wasser in den Sielen angestaut worden sei, um mit erhöhtem Druck die Außenrinne am Tinnumer Kreuz freizuspülen. Aufgrund eines länger anhaltenden Sturms und hoher Wasserstände hätten sich die Tore am Durchlass jedoch über Tage nicht geöffnet, wodurch das Wasser nicht ausreichend abfließen konnte.
Im weiteren Verlauf der Diskussion wurde jedoch deutlich, dass die eigentliche Ursache nach Ansicht mehrerer Beteiligter tiefer liegt. Kritisch gesehen wird vor allem, dass große Wassermengen aus Westerland und Tinnum mithilfe von sechs Pumpen in Richtung Wadensiel gedrückt werden. Dadurch könne Wasser aus den Ostdörfern nur noch eingeschränkt abfließen.
Bedauert wurde während des Gedankenaustauschs, dass keine Bilder der Überschwemmungen gezeigt wurden. Nach Eindruck einiger Teilnehmer würden Ausmaß und Folgen der Ereignisse teilweise unterschätzt.
Positiv bewertet wurde dagegen die angekündigte Übergabe einer Grabenkarte an die Ortsbeiräte. Auf dieser sind nicht nur die Fließrichtungen des Wassers verzeichnet, sondern auch die jeweiligen Zuständigkeiten für die Gräben. Dadurch sollen Entscheidungen über Räumungen künftig schneller getroffen werden können, ohne lange Diskussionen über Verantwortlichkeiten führen zu müssen.
Welche Lösungen werden diskutiert?
Als kurzfristige und vergleichsweise kostengünstige Maßnahme wurde die Anschaffung von zwei Zapfwellen-Hochleistungspumpen vorgeschlagen, die von landwirtschaftlichen Traktoren betrieben werden könnten. Über flexible Schläuche ließen sich damit größere Wassermengen direkt ins Wattenmeer pumpen.
Allerdings wurde darauf hingewiesen, dass viele Siele durch starke Verschlammung inzwischen nur noch wenig Wasser führen. Vor einem Einsatz müssten diese deshalb zunächst wieder auf ihre ursprüngliche Tiefe ausgebaggert werden.
Zudem wäre für Landwirte eine entsprechende Genehmigung erforderlich, da ihre Fahrzeuge nicht ohne Weiteres für gewerbliche Arbeiten eingesetzt werden dürfen.
Auch der Bau eines neuen Schöpfwerks in Keitum wurde als mögliche langfristige Lösung genannt. Aufgrund der hohen Anforderungen an Finanzierung und Genehmigungsverfahren gilt eine Umsetzung jedoch als schwierig und würde voraussichtlich viele Jahre in Anspruch nehmen.
Eine weitere diskutierte Möglichkeit wäre, die Pumpen, die Wasser aus Westerland und Tinnum zum Wadensiel fördern, zeitweise abzuschalten. Dadurch könnte mehr Wasser aus dem Inselosten über den Durchlass Wadensiel in Richtung Rantum Becken und schließlich ins Wattenmeer abfließen.