Westerland. In der Stadtgalerie „Alte Post“ wird im Frühjahr eine Ausstellung gezeigt, die sich intensiv mit Sylt als Erinnerungsort und emotionaler Landschaft auseinandersetzt. Vom 2. bis 26. April 2026 präsentiert der junge Künstler Jonathan Lützen seine Werkreihe „Rüm Hart – Klaar Kiming“. Die Vernissage findet am 2. April um 18 Uhr in der Galerie in der Stephanstraße 4 statt.

Der Titel der Ausstellung greift bewusst den bekannten Sylter Wahlspruch auf und verweist damit auf die inhaltliche Klammer der gezeigten Arbeiten. Im Mittelpunkt steht die persönliche Auseinandersetzung des Künstlers mit der Insel als Herkunftsort seiner Familie. Die Werke erzählen von Erinnerung, Zugehörigkeit und einer über Generationen gewachsenen Verbindung zu Sylt.

Lützens Malerei ist dem Expressionismus zuzuordnen. Kräftige Farben, markante Strukturen und ein spontaner, unmittelbarer Duktus prägen seine Arbeiten. Auf Vorzeichnungen verzichtet der Künstler bewusst, um die Atmosphäre seiner Motive direkt und unverfälscht einzufangen. So entstehen großformatige Bilder, die häufig eine Breite von über zwei Metern erreichen und durch ihre intensive Bildsprache auffallen.

Ausgangspunkt der Serie war ein persönliches Werk über die Tätigkeit seines Großvaters als Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Kampen. Daraus entwickelte sich eine umfassendere künstlerische Beschäftigung mit Geschichten, Orten und Erinnerungen rund um Sylt. Inzwischen umfasst die Werkreihe mehr als 60 Arbeiten, von denen eine Auswahl in der Alten Post gezeigt wird.

Die familiären Wurzeln des Künstlers liegen in Kampen. Während Großvater und Vater auf der Insel lebten, gehört Jonathan Lützen zur ersten Generation, die nicht auf Sylt geboren wurde. Dennoch wurde die enge Verbindung zur Insel früh durch Erzählungen und regelmäßige Aufenthalte geprägt. Diese biografische Nähe bildet die Grundlage für die künstlerische Auseinandersetzung, die sich in den gezeigten Arbeiten widerspiegelt.

Jonathan Lützen, geboren 2003 in Cuxhaven, beschäftigt sich in seiner Malerei mit Fragen von Identität und Herkunft. Als Grundlage dienen ihm historische und aktuelle Bildquellen aus Norddeutschland, insbesondere von Sylt. Seine Werke verstehen sich als Reflexion über Erinnerung und deren Wandel, ohne dabei eine idealisierte Sicht zu zeichnen. Figuren und Szenerien erscheinen fragmentarisch, lösen sich auf und verweisen auf die Brüchigkeit von Erinnerung.

Seit 2023 studiert Lützen in der Malereiklasse von Christian Hahn und steht kurz vor dem Abschluss seines Bachelorstudiums. Mit der Ausstellung in der Alten Post zeigt sich ein junger Künstler, der mit eigenständiger Handschrift neue Perspektiven auf die Insel eröffnet und dabei persönliche Geschichte mit künstlerischem Ausdruck verbindet.